Die Sommer werden immer heißer und die Winter immer milder. Der sogenannte Erdüberlastungstag ist immer früher im Jahr. Der Klimawandel ist nicht zu leugnen und die Zahlen und Fakten lassen uns Menschen als Verantwortliche dafür ganz schlecht aussehen.

Eine multimediale Reportage von Nadine Peter

Klimawandel: Das Worst-Case-Szenario

Der Klimawandel wird für die ganze Welt dramatische Folgen haben, wenn wir ihm nicht entgegenwirken. Dr. Heike Hübener ist Klimaforscherin beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie in Wiesbaden und erzählt, was im schlimmsten Falle alles auf uns zukommen kann.

Das Klimawandel-Lexikon

Das Thema „Klimawandel“ ist unglaublich komplex. Egal, ob am Stammtisch in der Kneipe darüber diskutiert wird oder Experten die Sachlage einordnen: Es wird mit vielen Begriffen wie selbstverständlich hantiert. Um diese Reportage vollumfänglich zu verstehen, erklären wir Ihnen die wichtigsten Begriffe zu dem Themenkomplex.

Erdüberlastungstag

Ist der Tag des laufenden Jahres, an dem der menschliche Verbrauch natürlicher Ressourcen die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Rohstoffe übersteigt. Auch bekannt unter dem englischen Begriff „Earth Overshoot Day“.

Biokapazität

Biokapazität bezeichnet die Fähigkeit von Flächen, für den Menschen biologisch nutzbringendes Material zu produzieren und von Menschen produzierten Abfall unter heutigen Bedingungen aufzunehmen. Die Biokapazität einer Fläche wird berechnet, indem man die tatsächlich vorhandene Fläche mit dem Erntefaktor und dem adäquaten Äquivalenzfaktor multipliziert. Sie wird in Global-Hektar (gha) angegeben.

(Quelle: Plattform Footprint)

ökologischer Fußabdruck

Die Biokapazität der Erde beträgt pro Jahr 1,7 Globale Hektar pro Person (gha). Jeder Mensch verbraucht im Schnitt allerdings 3,3 Globale Hektar pro Jahr. Dieser Verbrauch nennt sich ökologischer Fußabdruck.

CO2

Wenn von Klimawandel und Umweltschutz gesprochen wird, kommt man an einem Begriff nicht vorbei: CO2, also Kohlenstoffdioxid. Es ist ein natürliches Gas, das aber immer wieder auch als „Klima-Killer“ dargestellt wird. Dabei ist C02 eigentlich in einer normalen Menge nicht schädlich. Sondern sogar nützlich. Denn Pflanzen wandeln es in Sauerstoff um, den wir zum Atmen benötigen. Aber unsere zivilisierte Gesellschaft verbraucht über die Maßen viel C02, wodurch der natürliche Treibhauseffekt enorm verstärkt wird.

Treibhauseffekt

Der Treibhauseffekt ist eigentlich ein natürlicher Prozess, der die Temperatur auf der Erde entscheidend bestimmt. Seit dem Zeitalter der Industrialisierung und den damit stetig steigenden Emissionen von sogenannten klimawirksamen Gasen wie CO2 und Methan steigt allerdings das Vorkommen langlebiger Treibhausgase drastisch. Im Vergleich zu Beginn des industriellen Zeitalters wird heutzutage zum Beispiel im Mittel 40 Prozent mehr Kohlenstoffdioxid in der Luft gemessen. Dadurch hat sich die Erdoberfläche seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts global um 0.85°C erwärmt.

(Datenquelle: myclimate.org)

2-Grad-Ziel

In der internationalen Klimapolitik besteht ein Konsens darüber, dass die globale Erderwärmung bis zum 2100 im Schnitt nicht um mehr als zwei Grad ansteigen darf (im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter), damit die Folgen des Klimawandels halbwegs erträglich bleiben. Wird dieses Ziel nicht erreicht, dann würden die Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr kontrolliert werden können. Wetterextreme würden ein gefährliches Maß annehmen.

Zahlen und Daten zum Klimawandel

Während die natürliche Biokapazität – also die Fähigkeit von Flächen, für den Menschen biologisch nutzbringendes Material zu produzieren – in nahezu jedem Land der Welt jährlich sinkt, vergrößern die Menschen gleichzeitig ihren ökologischen Fußabdruck. Die Lücke zwischen unserem Verbrauch an natürlichen Ressourcen und deren Bestand wird also immer größer.

Wählen Sie oben links das Land aus und sehen, wie sich der Gap zwischen natürlichen Reserven und dem menschlichen Verbrauch jeweils seit 1961 verändert hat. Wenn Sie die Werte für Deutschland sehen wollen, wählen Sie „Germany“ aus. 

Ökologischer Fußabdruck und Biokapazität von 1961 bis 2016

Anzahl der Erden, die jedes Land verbraucht

Dieses Jahr war der sogenannte Erdüberlastungstag bereits am 29. Juli. Heißt: Ende Juli hatte die Weltbevölkerung alle natürlichen, nachwachsenden Ressourcen auf der Erde aufgebraucht. In der folgenden Grafik können Sie durch klicken aufs jeweilige Land herausfinden, wie viele Erden jedes Land pro Jahr statistisch aufbraucht. Die USA verbrauchen ganze fünf Erden, Deutschland drei. In Afrika leben die Menschen im Schnitt am nachhaltigsten.

Pro-Kopf-Co2-Ausstoß (in Tonnen)

CO2 ist das Gas, das mit am meisten zum Klimawandel beziehungsweise zur Erderwärmung beiträgt. Der CO2-Ausstoß ist auf der ganzen Welt deutlich zu hoch, um den Klimawandel zu stoppen. Ganz besonders hoch ist er aber bei uns in Deutschland. Pro Kopf wurden hierzulande im Jahr 2017 im Schnitt neun Tonnen des klimaschädigenden Gases ausgestoßen. Weltweit liegt dieser Wert im Schnitt bei 4,8 Tonnen. Dennoch ist auch in Deutschland ein Trend in die richtige Richtung zu erkennen.

Die Folgen des Klimawandels für...

... die Landwirtschaft

Die Landwirte klagen spätestens seit vergangenem Sommer über die Trockenheit. Die Veränderung des Klimas trifft die Landwirtschaft ganz besonders hart.

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... den Wald

Heftige, durch den Klimawandel verursachte Stürme verursachen Totholz im Wald. Und dieses ist die perfekte Brutstätte für den schädlichen Borkenkäfer.

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... die Gesundheit

In den sehr heißen Sommern sind zuletzt deutlich mehr ältere Menschen gestorben als es zu der Jahreszeit üblich ist. Der Klimawandel ist gefährlich für unsere Gesundheit.

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Das kann jeder im Alltag gegen den Klimawandel tun

Nach Möglichkeit mal aufs Auto verzichten, weniger fliegen und weniger Fleisch essen: Das alles sind Dinge, von denen wir wissen, dass sie dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu senken. Freilich sind es keine Geheimnisse. Und dennoch sollte man nicht müde werden, darauf und auf weitere umweltschützende Maßnahmen wieder und wieder hinzuweisen.

Beim Umweltschutz geht es darum, die negativen Spuren, die man hinterlässt, kleiner zu machen.

Annika HankeStellvertretende Bundesleitung "Deutsche Waldjugend"

Die Deutsche Waldjugend betreibt seit Jahrzehnten erfolgreich an der Basis Naturschutz. Die stellvertretende Bundesleitung der Jugendorganisation Annika Hanke weiß, wie es recht einfach ist, im Alltag auf die Umwelt zu achten.

Und auch die Klimaforscherin appelliert schlicht und einfach an den menschlichen Verstand, wenn es um den Schutz des Klimas geht. Manchmal sind es schon Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen.

So verläuft der Klimawandel im Optimalfall

Trotz aller bedrohlich wirkenden Zahlen, Daten und Fakten: Wenn die Menschheit sich nun zusammenreißt, dann werden die Klimaänderungen nicht so drastische Folgen haben, wie sie Dr. Hübener eingangs skizziert hat. „Wenn die Weltgemeinschaft es schafft, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten – im Idealfall sogar deutlich unter zwei Grad zu bleiben – dann werden die Klimaänderungen in Maßen bleiben“, sagt Hübener.

Klimaveränderungen nicht komplett aufzuhalten

Dennoch werde man weitere Klimaänderungen haben. Denn das Klima reagiert auf Emissionen, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden haben. Das heißt: Das, was wir in den letzten Jahrzehnten in die Atmosphäre gepumpt haben, das ist da drin.

Bei Zielerreichung: Keine unvorhersehbaren Umstände

Aber wenn wir jetzt die Notbremse ziehen, dann könnten die noch zu erwartenden Klimaänderungen in einem Maß bleiben, was wir schon heute in einzelnen Jahren kennen. „Es wird also kein Zustand eintreten, der unvorhersehbar ist, sondern wir haben reelle Chancen, dass wir mit den Maßnahmen, mit denen wir uns an unser heutiges Klima anpassen auch in Zukunft hinkommen. Und ich glaube, das ist ein gutes Ziel“, so die Klimaforscherin.

Mitwirkende:


Text, Informationen & Videos: Nadine Peter
Animation & Layout: Isabelle Scherthan
Illustrationen: nexusby, telmanbagirov, arcady, motorama, ckybe, artinspiring, sharpnose, azaze11o, salome – adobe.stock