Counter Strike statt Tennis, „Faker“ statt Lionel Messi. Millionen Zuschauer feuern ihre Idole in E-Sport-Turnieren auf der ganzen Welt an. Wir erklären die wichtigsten Begriffe, Spiele und zeigen die Zahlen des E-Sport-Kosmos.

Eine multimediale Hintergrundgeschichte von Marcel Großmann

Was ist E-Sport?

Im E-Sport werden, genau wie im physischen Sport, Wettkämpfe unter Menschen ausgetragen, nur gibt es andere Disziplinen. Statt Fußball, Tischtennis, Weitsprung oder Bogenschießen dienen im E-Sport Videospiele als Rahmen des Wettkampfes. Von First-Person-Shootern wie Counter Strike bis zu Strategiespielen wie League of Legends gibt es verschiedenste Disziplinen, in der sich die Spieler miteinander messen können.

E-Sport Lexikon

Wer eine E-Sport-Übertragung zum ersten Mal schaut, wird von den Fachbegriffen rund um die Spiele wohl eher ratlos zurückgelassen. Dabei entwickelt jedes Spiel seine eigene Sprache, was es für neue Zuschauer unglaublich schwierig machen kann, dem Geschehen zu folgen. Wir haben die wichtigsten Begriffe für euch zusammengefasst – mit einer passenden Erklärung.

ADR

“Average Damage per Round”. Der durchschnittliche Schaden, den ein Spieler pro Runde verursacht

APM

“Actions per Minute”. Ein Wert der zeigt, wie viele Eingaben ein Spieler pro Minute mit der Maus und Tastatur oder dem Gamepad tätigt.

Area of Effect

Zaubersprüche oder Fähigkeiten, die eine Fläche auf dem Spielfeld betreffen, nicht nur einen bestimmten Charakter.

Buff

Die Erhöhung eines Wertes, zum Beispiel der Lebenspunkte, die der Spieler durch bestimmte Zauber oder Objekte in einem Spiel erhält.

Build

Der Build ist eine bestimmte Taktik des Spielers, beispielsweise in welcher Reihenfolge er sich Verbesserungen kauft. Verschiedene Builds ergeben eine eigene Spielweise.

Camper

So nennt man einen Spieler in einem Ego-Shooter, der immer an einer Stelle auf dem Spielfeld verharrt.

Caster

Der Kommentator eines E-Sport Events.

Cool Down

Die Zeit, die vergeht, bevor eine Fähigkeit erneut eingesetzt werden kann. 

FPS

„First-Person-Shooter“. Ein Spiel, bei dem sich die Spieler aus der Ego-Perspektive mit Schusswaffen bekämpfen.

Frag

Als Frag bezeichnet man das Töten eines Gegners.

gg

„good game“. In Onlinespielen wird diese Abkürzung gerne zu Beginn oder am Ende einer Partie in den Chat geschrieben. Man wünscht dem Gegner damit ein gutes Spiel.

glhf

„Good Luck, have fun”. Eine Floskel, die vor jedem Onlinespiel zum Einsatz kommt. Sie gehört zum guten Ton.

HP

“Health Points”. Die Lebenspunkte eines Charakters.

KD

“Kill-Death“. Bezeichnet das Verhältnis von Tötungen und Toden eines Spielers.

Map

Das Spielfeld in einem Videospiel.

Moba

„Multiplayer Online Battle Arena“. Ein Genre, das im E-Sport größte Beliebtheit hat. Die bekanntesten Vertreter davon sind League of Legends und Dota 2. Bei dem Spiel verkörpert der Spieler einen Charakter, den er aus der Vogelperspektive über die Karte steuert. Ziel ist es, in die Basis des Gegners zu gelangen, um ein bestimmtes Gebäude zu zerstören.

Mod

Die Kurzform für Modifikation.

NPC

„Non Player Charakter“. Ein Charakter im Spiel, der nicht durch einen Menschen gesteuert wird.

PvP

„Player vs. Player“. Der Wettkampf zwischen menschlichen Spielern.

Respawn

Ist eine Spielfigur ausgeschaltet, wird man in einigen Spielen nach einer Zeit wieder aufs Spielfeld zurück geholt.

Rush

Eine Taktik, in der der Gegner früh im Spiel überrannt werden soll.

RTS

„Real Time Strategy“. Die Echtzeitstrategie ist ein Videospiel-Genre, zu dem Spiele wie Age of Empires, Starcraft oder auch League of Legends und Dota gehören.

Skill

Das Können eines Spielers oder die besondere Fähigkeit eines Charakters.

Stunned

Ein Charakter, der sich für wenige Augenblicke nicht mehr bewegen und keine Angriffe mehr ausführen kann. Oft wird das durch eine Falle oder einen Zauberspruch des gegnerischen Charakters ausgelöst.

Was wird gespielt?

Um eine E-Sport Disziplin zu sein, muss ein Spiel besondere Anforderungen erfüllen. Beispielsweise dürfen möglichst wenige Zufallsfaktoren eingebaut sein, die einer Mannschaft möglicherweise einen Vorteil verschaffen. Dennoch gibt es Dutzende Spiele, die auf Turnieren gespielt werden. Wir haben eine Auswahl von sechs beliebten E-Sport-Spielen etwas genauer unter die Lupe genommen.

League of Legends

Bei dem Echtzeit-Strategiespiel spielen zwei Teams auf einer gespiegelten Karte gegeneinander. Ziel ist es, den sogenannten „Nexus“ des gegnerischen Teams zu zerstören, der sich in ihrer Basis befindet. Gleichzeitig muss der Eigene beschützt werden. Die fünf Teammitglieder wählen dazu einen von derzeit 145 Helden aus, die jeweils besondere Fähigkeiten besitzen.
League of Legends ist ein sogenanntes MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) und hat große Gemeinsamkeiten mit dem Genrekonkurrenten Dota 2. (Foto: Riot Games)

Overwatch

Bei dem Mix aus Taktik-Shooter und Moba spielen zwei Teams á sechs Spieler gegeneinander. Die Spieler können dabei frei aus derzeit 31 Charakteren auswählen, die jeweils besondere Fähigkeiten besitzen und andere Rollen erfüllen. Das Ziel variiert, je nachdem, auf welcher Karte gespielt wird. (Foto: Blizzard)

Counter Strike

Die erste Version von Counter Strike ist seit dem Jahr 2003 in Deutschland erhältlich. Inzwischen wird die im Jahr 2012 erschienene Version „Counter Strike: Global Offensive“ auf Wettbewerben gespielt. An dem Spiel hat sich aber in den Grundsätzen nichts verändert. Zwei Teams, die Terroristen und Anti-Terroristen, treten gegeneinander an. Dabei ist es die Aufgabe der Terroristen eine Bombe an einen von zwei vorgegebenen Punkten auf der Karte zu platzieren oder das andere Team auszuschalten. Aufgabe der Anti-Terroristen ist es, die Terroristen auszuschalten, bevor sie die Bombe aktivieren können oder die Bombe zu entschärfen. (Foto: Valve)

Dota 2

Zwei Teams spielen auf einer gespiegelten Karte gegeneinander. Dabei hat jeder Spieler die Möglichkeit, aus einem von 117 Helden zu wählen, die durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten verschiedene Rollen ausfüllen. Das Ziel des Spiels ist es, in die gegnerische Basis zu gelangen und dort ein Gebäude, den ``Ancient``, zu zerstören. Gleichzeitig muss der Eigene beschützt werden.
League of Legends und Dota 2 sind beides Spiele des Genres „MOBA“ (Multiplayer-Online-Battle-Arena). (Foto: Valve)

Fortnite

Fortnite ist aktuell eines der beliebtesten Spiele. Kein Wunder also, dass es auch im E-Sport fuß gefasst hat. Vor allem der Spielmodus ``Battle Royale`` machte es E-Sport tauglich. Bis zu 100 Spieler werden auf eine riesige Karte gesetzt. Die Spieler müssen dort nach Waffen, Rüstungen und Munition suchen, um die anderen Spieler auszuschalten. Die Karte wird dabei alle paar Minuten ein Stück kleiner, um das Spiel gegen Ende spannend zu halten. Wer als Letzter steht, gewinnt das Spiel. (Foto: Epic Games)

FIFA

Beinahe jeder Profi-Fußballverein hat inzwischen auch eine E-Sport-Abteilung. In der Fußballsimulation sind die Regeln mit denen des Rasensports identisch, nur wird statt 90 Minuten lediglich 12 Minuten pro Partie gespielt. (Foto: Electronic Arts)

Wie genau die Spiele aufgebaut sind und welche Mechaniken für das einzelne Spiel wichtig sind, seht ihr in den interaktiven Grafiken.

League of Legends

Overwatch

Dota 2

Counter Strike: Global Offensive

Fortnite

Fifa

Exkurs: Ist das Sport?

Den Sport im Namen aber nicht als solcher anerkannt. Schon seit einigen Jahren wird in Deutschland diskutiert, ob E-Sport wirklich Sport ist. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat dazu vor kurzem ein Gutachten beauftragt, in dem diese Frage klar mit Nein beantwortet wird. E-Sport wird also nicht vom DOSB als Sport aufgenommen. Doch nicht der Sportbund entscheidet schlussendlich, was Sport ist und was nicht. Wir haben euch mal einige Argumente von beiden Seiten zusammengetragen.

  • Bei etwa 300 Anschlägen pro Minute kommen die Spieler ganz schön ins Schwitzen. Außerdem ist die mentale Anstrengung enorm.
  • Turniere finden nach anerkannten sportlichen Werten, wie Fairness, Respekt und Toleranz statt.
  • Sport und E-Sport haben viel gemeinsam. Soziale Aspekte, regelmäßige Trainingseinheiten und der Wettkampfgedanke sind nahezu identisch.
  • Den Controller oder Maus und Tastatur zu bewegen, reicht nicht aus, um Sportart zu sein.
  • Sport ist nicht wirtschaftlich und verlangt keine Lizenzgebühren. Er ist für die Allgemeinheit.
  • Ethisch und moralisch lassen sich einige Spiele nicht mit dem Sport vereinbaren. Gegner zu töten oder zu vernichten, entspricht nicht dem sportlichen Gedanken.
  • Beim Sport werden die Regeln von der Allgemeinheit bestimmt, beim E-Sport machen das die Spielentwickler.

Eine ausführliche Diskussion, ob E-Sport Sport sein soll, haben Frederik Voss und Pascal Affelder auf dem VRM-Nachrichtenportal der Allgemeinen Zeitung nacherzählt. Die komplette Geschichte ist hier zu finden.

Von der Highscorejagd zum Massensphänomen

Die Geschichte des E-Sports ist eng mit der Geschichte der Videospiele verbunden. Früher gingen die Spieler auf Highscorejagd in den Spielhallen. Als die ersten Heimkonsolen erschwinglich waren und das Internet in weiten Teilen der Welt immer besser wurde, war der Weg für den E-Sport geebnet. Erst in den letzten fünf bis sechs Jahren ging die Entwicklung des E-Sports durch die Decke. Doch bis dahin war es ein weiter Weg, der bereits im Jahr 1962 anfing.

1962

Das Spiel Spacewar wird veröffentlicht. Dort treten zwei Raumschiffe gegeneinander an. Ziel ist es, das Raumschiff des anderen zu zerstören. Es war eines der ersten Videospiele, die zwei menschliche Spieler gegeneinander spielen konnten. (Foto: Joi Ito/CC Attribution 2.0 Generic)

1972

Die „Intergalactic-Spacewar-Olympics“ war das erste E-Sport-Turnier der Welt. 24 Personen machten bei dem Turnier mit. Der Preis: ein Jahresabonnement des „Rolling Stones“-Magazins. Ein Magazin kostete damals umgerechnet circa 22 Cent. (Foto: Ron Cogswell/CC Attribution 2.0 Generic)

1976

In den 70er Jahren gab es einen Hype um Videospiele in Spielhallen. Konsolen für Zuhause waren zu teuer, weswegen man in den Arcades auf Punktejagd ging. Im Jahr 1976 die Highscoreliste eingeführt. So konnten sich die Spieler miteinander messen. (Foto: Rob Boudon/CC Attribution 2.0 Generic)

1979

Die Spiele Asteroids und Starfire erschienen als Automatenspiele in den Spielhallen. In deren Highscorelisten konnte man sich erstmals mit einem Namenskürzel verewigen. Die Highscorejagd war eröffnet. (Foto: Coentor/CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

1980

Die Videospielfirma „Atari“ veranstaltete ein Turnier, bei dem das Spiel „Space Invaders“ von über 10.000 Gamern gespielt wurde. Der beste bekam eine Version von „Asteroids“. Foto: Michel Curi/ CC Attribution 2.0 Generic)

1982

In Deutschland gründete sich die Atari VCS Bundesliga. Die Firma „Atari“ wurde aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen darauf aufmerksam und unterstützte die Liga als offizieller Partner. Drei Jahre später wurde sie wieder eingestellt. (Foto: Chester/ CC Attribution 2.0 Generic)

1990

Nun wurde auch die Videospielfirma Nintendo auf den Trend aufmerksam. Sie veranstalteten in den USA die Nintendo World Championship, ein Dreikampf aus Super Mario Bros, Rad Racer und Tetris. Für die Gewinner gab es einen goldenes NES Gaming-Modul. (Foto: BagoGames/CC Attribution 2.0 Generic)

1999

Inzwischen wurden die Heimcomputer und auch die Netzwerke immer leistungsfähiger und LAN-Partys immer beliebter. Die „Gamers Gathering“ lockte über 1600 Spieler aus ganz Europa nach Duisburg, die ihre Lieblingsspiele gegeneinander spielten. (Symbolfoto: Toffelginko/CC BY-SA 3.0)

2000

Der E-Sport wurde professionalisiert, zumindest in Korea. Dort gründete sich die „Korean e-Sports Association“ (KeSPA). Sie brachten den E-Sport ins koreanische Fernsehen und legten den Grundstein für die Veranstaltungen, die es heute gibt. (Foto: altostratus/ Attribution 3.0 Unported)

2007

Im Jahr 2007 erreichte ein Turnier erstmals ein Preisgeld von insgesamt über einer Millionen US-Dollar. Die ``Championship Gaming Series`` war damit die bis dato teuerste E-Sport-Veranstaltung der Welt. (Symbolfoto: Helena Kristiansson/ESL)

Eine Millionen US Dollar waren im Jahr 2007 eine Sensation. Inzwischen ist es normal, dass E-Sport Turniere mit Preisgeldern in Millionenhöhe die Teams aus allen Ländern der Welt anlocken. Aktueller Rekordhalter: „The International Dota 2 2019“, mit einem Gesamt-Preisgeld von 34,33 Millionen US-Dollar.

Wie sich die Top-Preisgelder in den letzten Jahren entwickelt haben und wie hoch sie insgesamt über die Jahre gewachsen sind, seht ihr in den interaktiven Grafiken.

Live Streaming: Das Tor zum E-Sport

12300000
Stunden wurde die ESL One in Köln insgesamt geschaut
600000
Zuschauer haben über das Turnier verteilt im Durchschnitt gleichzeitig zugeschaut
15000
Zuschauer waren live vor Ort in der Lanxess Arena
Foto: Adela Sznajder

Erst durch das Internet konnte der E-Sport eine große Masse erreichen. Sowohl die Spieler als auch die Zuschauer sind nicht an eine Arena gebunden, sondern können bequem von Zuhause aus zuschauen und spielen.

Wer E-Sport live erleben möchte, kommt an dem Streamingdienst „Twitch“ nicht vorbei. Am 6. Juni 2011 ging das Portal online, das sich auf das Streamen von Videospielen spezialisiert hat. Schnell wurde das Portal auch für Übertragungen von E-Sport Events genutzt. Bis heute ist Twitch die Anlaufstelle, um E-Sport live zu schauen. Ein Abonnement ist dafür nicht nötig. Inzwischen haben sich auch Fernsehsender die Rechte am E-Sport gesichert. Pro7 überträgt regelmäßig E-Sport Veranstaltungen und auf dem Sender eSport 1 gibt es 24 Stunden am Tag E-Sport Turniere zu sehen.

Der Gesamtumsatz der E-Sport Branche erreicht in 2019 Prognosen zufolge ein neues Hoch. Auch die Vermarktung spielt dabei eine große Rolle. Rund 23 Prozent seines Umsatzes kommt im E-Sport weltweit von Medienrechten. In Zahlen sind das 251,3 Millionen US-Dollar. Nur das Sponsoring macht einen größeren Teil aus.

Wo soll es hingehen?

Inzwischen ist der E-Sport in der breiten Masse angekommen. Ein Milliarden-Dollar Markt ist in den letzten Jahren entstanden und fesselt Millionen von Zuschauern weltweit. Trotzdem soll sich noch einiges tun. Christopher Flato, Pressesprecher der ESL, ist zuversichtlich, dass der E-Sport weiter wachsen wird. „Die Zuschauerzahlen steigen und auch die Industrie dahinter“, sagt Flato. Denn die Spielindustrie profitiert auch vom E-Sport. „Das ist für die Spiele das beste Marketing.“ Die ESL ist der weltweit größte Veranstalter für E-Sport Events. Etwa 33 Turniere pro Tag werden derzeit von der ESL organisiert. Die meisten davon sind Online-Amateurturniere, die größtenteils automatisch ablaufen. Dazu kommen etwa 1-2 Großveranstaltungen im Monat, wie die ESL One Cologne.

In den vergangenen sechs Jahren ist der Konzern gewachsen, jetzt gilt es, die Strukturen zu verbinden. „Wir wollen eine Art Ligasystem etablieren“, erklärt Flato. Aktuell gibt es viele unterschiedliche Ligen und Turniere, die im Endeffekt in einem großen System zusammengeführt werden sollen. „Das Ziel ist, dass sich Spieler und Teams innerhalb der Ligen hocharbeiten können.“

Aktuell ist E-Sport ein bisschen wie der Wilde Westen.

Christopher FlatoESL, Foto: Helena Kristiansson

Mitwirkende:


Text, Informationen & Videos: Marcel Großmann
Animation & Layout: Anne Porth
Illustrationen: Ilya Rumyantsev, extracoin, vector_master, Igor Tarasov – stock.adobe