Bei einem Griff in die Gummibärchenpackung bleibt es nie. Vor allem Süßigkeiten scheinen regelrecht süchtig zu machen. Wie kann man der vermeintlichen Sucht entgehen und ist Zucker eine Droge?

Eine multimediale Reportage von Julia Kleiner

So viel Zucker essen wir

Ob als Nervennahrung im Büro, Trostpflaster auf der Couch, Energielieferant im Alltagsstress oder als Belohnung nach einem anstrengenden Tag: Zucker bedeutet für die meisten von uns eine Menge und darf auf keinen Fall fehlen. Denn ist der Snack zwischendurch mal nicht greifbar, werden wir nervös.

Dabei macht uns Zucker nicht nur glücklich und entspannt. Er verursacht Karies, führt zu teilweise krankhaftem Übergewicht und bildet damit die Grundlage für Diabetes Typ 2 und Adipositas. Dennoch kommt für viele ein Verzicht auf Zucker nicht in Frage. Warum ist das so? Ist das weiße, kristalline Pulver tatsächlich eine Droge?

Zwei Autorinnen und ehemalige „Zuckersüchtige“, ein Arzt und eine Ernährungsberaterin sprechen über das süße Gift und wie man seinen Zuckerkonsum im Alltag einschränken kann ohne zu leiden.

Klicken Sie auf die Kreuze und lesen Sie eine Einschätzung der Interviewpartner, ob Zucker eine Droge sein kann.

„Es ist nachgewiesen, dass Zucker die gleichen Areale im Gehirn aktiviert wie Drogen. Ich habe gemerkt, dass ich süchtig nach Zucker bin, weil ich es einfach brauchte.“
„Wir müssen bedenken, dass wir Zucker in verschiedenen Formen aufnehmen. Hier gilt es zu verstehen, welcher Zucker in welchen Lebensmitteln enthalten ist.“
„Ich sehe Zucker nicht als harte Droge, sondern eher als Alltagsproblem. Denn viele Lebensmittel sind übersüßt.“
„Was passiert wenn wir unter Stress stehen? Unser Körper möchte ein schnelles Glücksgefühl und wir greifen zum Zucker. So entwickeln wir Routinen und konditionieren uns.“

Wie schwer es uns fällt, Zucker im Alltag zu reduzieren, zeigt unser Konsum. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt maximal eine Menge von 25 Gramm zusätzlichen Zucker pro Tag, der nicht natürlicherweise in Lebensmitteln enthalten ist.  Ein Zuckerwürfel zum Beispiel wiegt etwa drei Gramm. Der Durchschnittsdeutsche verbraucht laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) weitaus mehr als die WHO empfiehlt:

90
Gramm Zucker durchschnittlich pro Tag und Person in Deutschland
33
Kilo Zucker pro Person im Jahr 2017
11266
Stück Würfelzucker umgerechnet pro Person im Jahr 2017

Das macht Zucker mit unserem Körper

Schon kurz bevor wir das erste Stück Kuchen auf der Gabel oder ein Stück Pizza in der Hand haben, freuen wir uns. Unser Gehirn weiß, jetzt kommt etwas Gutes. Der Geschmack breitet sich im Mund aus, wir sind ein bisschen berauscht. Dann werden wir plötzlich müde und wissen, wir brauchen mehr davon. Doch das geschieht nicht, weil wir noch hungrig sind. Wissenschaftler konnten belegen, dass die Lust auf Essen mit dem Verhalten von Suchtpatienten vergleichbar ist.

Klicken Sie auf die Zahlen und lesen Sie zu erst, was im Körper bei der Aufnahme von Zucker passiert und anschließend eine wissenschaftliche Analyse, ob Zucker eine Droge ist. Die Analyse ist in fünf Teile aufgeteilt. Verfolgen Sie anhand der Zahlen den Verlauf des Blutzuckerspiegels.

Dieser Zucker ist gefährlich

Zucker taucht in vielen verschiedenen Formen auf. Um überhaupt zu verstehen, welcher Zucker für unseren Körper schädlich ist, müssen wir das Spektrum des Lebensmittels kennenlernen.

Klicken Sie auf die Kreuze und erfahren Sie, wie die verschiedenen Zuckerarten aufgeteilt sind und in welchen Lebensmitteln sie enthalten sind.

Einfachzucker sind Kohlehydrate, die nur aus einem Zuckermolekül bestehen. Dazu gehört Traubenzucker (Glukose), Fruchtzucker (Fruktose) und Schleimzucker (Galaktose). Diese können im Körper schnell verdaut werden und gelangen schnell ins Blut. Dazu gehören Lebensmittel wie Honig, Obst, Limonaden und Fruchtsäfte, in denen vor allem isolierte Fruktose enthalten ist. Ernährungsberaterin Mona Poulev rät, vor allem auf isolierte Fruktose zu verzichten. Obst könne man dagegen ohne Bedenken essen, da die enthaltene Fruktose viel geringer sei.
Zweifachzucker sind Kohlehydrate, die aus zwei Zuckermolekülen bestehen. Dazu zählen Rohr- und Rübenzucker (Saccharose), Malzzucker (Maltose) und Milchzucker (Laktose). Sie werden ebenfalls vom Körper schnell verdaut und lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Dazu gehören Milchprodukte, Weißmehlprodukte und Haushaltszucker. Ernährungsberaterin Mona Poulev rät vor allem Weißmehlprodukte, durch Vollkornprodukte zu ersetzen.
Mehrfachzucker sind Kohlehydrate mit mehr als zwei Zuckermolekülen. Dazu gehören Stärke, Glykogen und Zellulose. Diese sogenannten Zuckerketten kommen vor allem in Stärke vor. In der Verdauung werden die Zuckerketten nach und nach gespalten. Dieser Prozess nimmt Zeit in Anspruch und der Zucker gerät langsamer ins Blut. So wird ein schneller Anstieg des Blutzuckerspiegels verhindert. Vor allem Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte enthalten Mehrfachzucker. Ernährungsberaterin Mona Poulev rät, nicht einfach nur auf ‚Einfach- und Zweifachzucker zu verzichten, sondern mehr Lebensmittel mit Mehrfachzucker in die Ernährung zu integrieren.

Zwischen all den Zuckerarten hat die Fruktose eine besondere Position. Bei der Aufnahme von Fruktose schüttet der Körper kein Insulin aus. Das scheint einige Vorteile zu haben, macht aber vor allem industriell hergestellte Fruktose, wie sie oft in Limonaden zu finden ist, sehr gefährlich.

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Der Rohstoff Zucker ist außerdem ein wichtiges Wirtschaftsgut weltweit. Allein in Deutschland wurden laut Statistischem Bundesamt und der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker im Erntejahr 18/19 etwa 4,4 Millionen Tonnen Weißzucker produziert. Der wichtigste Absatzmarkt für das Erntejahr war laut USDA Foreign Agricultural Service Indien, mit 28,5 Millionen Tonnen Zucker. Doch darüber hinaus gibt es noch mehr Wissenswertes über Zucker. Hätten Sie es gewusst?

Darum brauchen wir den Zucker

Trotzdem können wir nicht komplett auf Zucker verzichten, weiß Diabetologe Dr. Ulrich Alker. „Zucker sind auch Kohlenhydrate. Und diese werden vom Körper gebraucht. Allerdings in viel geringeren Mengen, als wir denken.“

Dr. Ulrich Alker

Zur Person

Dr. Ulrich Alker ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Diabetologe. Seine Patienten berät er in einer Praxis in Mainz. Sein Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Schulung von Diabetikern Typ 1 und 2, sowie dem Schwangerschaftsdiabetes und der Insulinpumpentherapie.

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50 Gramm Zucker sind das Maximum, was sich ein gesunder Mensch an Kalorien zusätzlich erlauben kann.

Ulrich AlkerDiabetologe

Es gibt Menschen, die bestimmte Zuckerarten nicht vertragen. Doch auch ihnen rät Ernährungsexpertin Mona Poulev nicht vollkommen auf Zucker zu verzichten. Denn ein vollkommener Verzicht mache die Darmflora auf Dauer noch empfindlicher. So können laut Poulev die Intoleranzen eingedämmt werden:

Fructoseintoleranz

Bei einer Fruktoseintoleranz kann der Fruchtzucker beziehungsweise die Fruktose im Dünndarm nicht richtig verdaut werden. Häufige Symptome sind Blähungen und Durchfall.

Betroffene vermeiden es oft, Früchte und andere Lebensmittel mit einem hohen Fruktoseanteil zu verzehren. Ernährungsberaterin Mona Poulev rät ihren Kunden, nicht komplett auf entsprechende Lebensmittel zu verzichten. „80 Prozent unseres Immunsystems sitzt im Dünndarm, er braucht eine gewisse Ernährung, um die benötigten Bakterien zu füttern und die Darmwand wieder zu stärken.“ Dabei müsse man zu Beginn tatsächlich auf fruktosehaltige Lebensmittel verzichten. Nach einer Karenzzeit von zwei bis drei Wochen solle dann ausgetestet werden, welche Fruktosemenge der Darm vertrage.

Tipps zur besseren Verträglichkeit:

  • Darm entlasten: Kleine Portionen von fruktosehaltigen Speisen über den Tag verteilt einnehmen.
  • Passagezeit verlängern: fruktosehaltige Lebensmittel mit anderen Speisen zusammen essen
  • Fruktoseaufnahme im Darm fördern: Traubenzucker (Glukose) zu sich nehmen. Achtung! Nur geringe Mengen. Zum Beispiel bei einem Restaurantbesuch über das Essen streuen.

Früchte mit einem geringen Fruktosegehalt:

  • Avocado
  • Johannisbeere
  • Pfirsich
  • Aprikosen
  • Rhabarber
  • Limetten
  • Mandarinen

Lactoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz kann der Fruchtzucker beziehungsweise die Laktose im Dünndarm nicht richtig verdaut werden. Häufige Symptome sind Blähungen, Durchfall, Übelkeit oder Unterbauchschmerzen.

Ernährungsberaterin Mona Poulev rät ihren Kunden, auch bei einer Laktoseintoleranz nicht komplett auf laktosehaltige Produkte zu verzichten.“80 Prozent unseres Immunsystems sitzt im Dünndarm, er braucht eine gewisse Ernährung, um die benötigten Bakterien zu füttern und die Darmwand wieder zu stärken.“ Dabei müsse man zu Beginn, wie auch bei einer Fruktoseintoleranz, auf laktosehaltige Lebensmittel verzichten. Nach einer Karenzzeit von zwei bis drei Wochen solle dann ausgetestet werden, welche Laktosemenge der Darm vertrage.

Tipps zur besseren Verträglichkeit:

  • Milchprodukte mit geringem Laktoseanteil: Bei gereifte, fermentierte Produkte wie Käse und Joghurt wurde bereits ein Großteil der Laktose durch Milchsäurebakterien gespalten. Merke: je länger die Reifezeit, umso weniger Laktose.
  • Darm entlasten: Kleine Portionen über den Tag verteilt essen.
  • Verdauungszeit verlängern: Laktosehaltige Lebensmittel mit anderen Speisen zusammen essen.
  • Hilfe in Anspruch nehmen: Laktasetabletten aus der Apotheke verwenden.

Milchprodukte mit einem geringen Laktosegehalt:

  • Camembert
  • Edamer
  • Feta
  • Gorgonzola
  • Hafermilch
  • Hartkäse
  • Kokosmilch
  • Parmesan
  • Reismilch
  • Ricottakäse
  • Sojadrink

Hier ist Zucker drin

Schokoriegel und Co. sind offensichtliche Zuckerquellen, die wir rein theoretisch leicht umgehen können. Mona Poulev warnt allerdings vor versteckten Zuckerbomben. „Vielen ist nicht bewusst, wie sie sich ernähren, unbewusst nehmen sie viele verarbeitete Lebensmittel zu sich und da spielt Zucker eine große Rolle.“

Klicken Sie auf das Icon und erfahren Sie, wie viel Würfelzucker je 100 Gramm oder Milliliter in den aufgeführten Lebensmitteln enthalten sind.

Ein Blick auf die Zutatenliste der Produkte hilft uns, auch bei allen anderen Nahrungsmitteln herauszufinden, wie viel Zucker sie tatsächlich enthalten. Denn je weiter vorne Zucker in der Liste aufgeführt ist, desto größer ist der Anteil. Doch Zucker wird nicht immer mit dem Wort „Zucker“ benannt.

Hinter diesen Begriffen verbirgt sich Zucker

  • Saccharose
  • Dextrose
  • Raffinose
  • Glukose
  • Fruktose-Glukose-Sirup
  • Glukosesirup
  • Stärkesirup
  • Laktose
  • Maltose
  • Maltodextrin
  • Süßmolkenpulver
  • Maissirup
  • Invertzucker
  • Mannose
  • Galaktose
  • Süßmolkepulver
  • Traubenzucker
  • Isoglukose
  • Sucrose

So können wir Zucker vermeiden

Zucker zu vermeiden hört sich erst mal nach einem großen Verzicht an, vor allem für alle Naschkatzen und selbst ernannte Zuckerjunkies. Moderatorin Andrea Ballschuh und Mental-Coachin Fabienne Bill haben genau das 90 Tage ausgehalten und darüber ein Buch geschrieben. Die ernüchternde Wahrheit: Die ersten Wochen ohne Zucker sind eben tatsächlich kein Zuckerschlecken. Sie versprechen aber auch: danach wird es viel besser.

Die Zucker-Geschichte

Nach der Schwangerschaft ertappte sich die Wahl-Mainzerin beim ständigen Naschen. „Das hat mich genervt“, beschrieb sie den Zustand. Im Jahr 2016 wurde Fabienne Bill von einer Freundin aufgefordert, bei einer „Zuckerchallenge“ mit zu machen. „90 Tage ohne Zucker. Jeder durfte für sich entscheiden, was das tatsächlich heißt“, erklärte sie. Im ersten Abschnitt der Fastenzeit drehten sich die Gedanken der Mental-Coach ausschließlich ums Essen.

Doch nach einigen Wochen stellte sich ein positiver Effekt ein. „Nachdem ich zwei Wochen Entzugserscheinungen mit Kopfschmerzen und Müdigkeit hatte, habe ich die erst Nacht so gut geschlafen, wie seit Jahren nicht.“ Komplett habe sie den Zucker aber trotzdem nicht aus der Ernährung gestrichen. „Ab und an esse ich auch heute noch Kuchen. Ich esse aber wirklich nur, wenn ich Lust darauf habe und nicht weil ich das Gefühl habe, ich muss jetzt essen.“ Heute fühle sie sich wieder viel selbstbestimmter was das Essen angehe. „Für mich ist das eine neugewonnen Freiheit.“ Dennoch gab es auch aus dem Umfeld der Zuckerfasterin Erstaunen und Unverständnis. „Vor allem den Gegenwind von anderen Eltern nehme ich auch jetzt noch gerne in Kauf, wenn meine Tochter abends nichts Süßes mehr bekommt.“

Ein Buch auf dem Markt, ein zweites kurz vor der Veröffentlichung und mittlerweile fast 6000 Mitglieder in der Facebook-Gruppe passend zur Challenge sind mit der Motivation auf Zucker zu verzichten bisher entstanden.

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Auf Zucker zu verzichten, ist eine Reise zu den eigenen Grenzen.

Fabienne BillMental-Coach und Co-Autorin "Zucker is(s) nicht"

Für viele süße Versuchungen und Zuckerfallen gibt es gesunde, zuckerfreie Alternativen. Die gerade am Anfang durch schwache Zeiten hin durchhelfen können.

Zuckerbomben und ihre gesunden Alternativen

Lebensmittel ohne Zucker Lebensmittel mit viel Zucker

Für den Mainzer Diabetologe Ulrich Alker, ist auch eine gesunde Selbsteinschätzung ein wichtiger Aspekt. „Man muss gucken, wo steht man gerade. Ist man krank oder gesund und wie viel Bewegung hat man.“ Ungesunde Lebensmittel zu ersetzen, ist auch die Strategie von Mona Poulev.

Ernährungsberaterin Mona Poulev

Zur Person

Mona Poulev ist studierte Ernährungswissenschaftlerin und Ernährungsberaterin. Sie berät seit etwa sieben Jahren ihre Kunden in ihrem Büro in Frankfurt. ``Meine Mission ist es heute, Menschen zu helfen, wieder in ihre Kraft zu kommen und mehr Wohlbefinden zu haben und gesund zu sein.`` Dabei sei es ihr besonders wichtig, Selbstliebe und Selbstfürsorge zu integrieren.

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In einer gesunden Ernährung geht es nie darum, einfach etwas weg zu lassen.

Mona PoulevErnährungsberaterin

Wer auf den bekannten Haushaltszucker (Saccharose) verzichten möchte, hat mittlerweile eine breite Auswahl an Zuckerersatzprodukten. Auch die Autorinnen des Buches „Zucker is(s) nicht“ kochen und backen mit Reissirup, Xylit und Co. Wirklich gesünder sind diese Alternativen jedoch nicht, sagt Ernährungsexpertin Mona Poulev. „Es sind aber trotzdem gute Alternativen, wenn man einfach mal einen anderen Geschmack ausprobieren möchte, sie sind aber kein Zucker-Freifahrtschein.“ Sie rät, besonders beim Backen, die Menge des Zuckers zu reduzieren.

Dicksäfte

Tipp von der Expertin: Sobald ein Saft verdickt wird, entsteht mehr Zucker. Vor allem Menschen mit einer Fruktoseintoleranz sollten keinen Agavendicksaft verwenden.

Agavendicksaft: Der Saft wird aus dem Herz der Agavenpflanze aus Mittelamerika gewonnen. Eingekocht enthält der Dicksaft überwiegend Fruktose und ist daher nicht für Menschen mit einer Fruktoseintoleranz geeignet.

Fruchtdicksäfte wie Birnendicksäfte / Apfeldicksaft: Die Säfte bestehen vor allem aus Fruktose, Glukose und Saccharose in unterschiedlichen Anteilen. Je nach Fruchtsorte enthalten sie darüber hinaus auch geringe Mengen an Mineralstoffen und Geschmacks-  und Aromastoffen.

Malz

Malz wird aus Gerste, Reis, Mais oder Weizen gewonnen. Es enthält im Unterschied zu anderen Süßungsmitteln Vitamine der B-Gruppe und zeichnet sich durch eine milde Süßkraft aus.

Honig

Honig gilt im Vergleich zu Haushaltszucker oft als gesünder. Dabei besteht er hauptsächlich aus Trauben- und Fruchtzucker. Die Menge an Vitaminen und Mineralstoffen, die im Honig enthalten sind, liefern keinen nennenswerten Beitrag zur Bedarfsdeckung.

Zuckeralkohole

Tipp von der Expertin: Zuckeralkohole können schnell abführend wirken, daher immer auf die Dosierung achten. Außerdem enthalten einige von ihnen Fruktose. Daher bilden sie für Menschen mit einer Unverträglichkeit keine Alternative.

Erythrit: Der Zuckeralkohol kommt in geringen Mengen in einigen Obstsorten, Pilzen, Sojasoße, Reiswein, Bier und Käse vor. Die Süßkraft liegt bei etwa 60 bis 80 Prozent von Haushaltszucker.

Xylit: Der Stoff kommt in Früchten, Beeren, Gemüse und Pilzen vor. Es genauso süß wie Zucker und ruft einen kühlenden Effekt hervor. Trotz der Süße ist Xylit sehr viel schonender für die Zähne. Deshalb wird es oft für Kaugummis, Fruchtbonbons und ähnliches verwendet.

Isomalt: Isomalt wird synthetisch-enzymisch aus Zucker gewonnen. Der Stoff ist geruchsfrei, weiß, hat eine kristalline Substanz und schont die Zähne.

Laktit: Der Stoff wird auf der Basis von Laktose hergestellt. Im Vergleich zu Haushaltszucker hat Laktit eine Süßkraft von 30 bis 40 Prozent. Es kann jedoch die Süßkraft von einigen Süßstoffen verstärken.

Maltit: Der Stoff wird aus Stärke gewonnen und kann in Lebensmitteln eingesetzt werden.

Mannit: Der Zuckeralkohol kommt in Algen, Pilzen und dem Saft der Manna-Esche vor.Industriell wird der Stoff allerdings aus Fruktose hergestellt. Dabei sind Ausgangsprodukte Mais- oder Kartoffelstärke.

Sorbit: Sorbit ist der am meisten verwendete Zuckeraustauschstoff. Es ist in vielen Früchten enthalten. Industrielle wird es aus Glukose gewonnen. Der Stoff ist nur halb so süß wie Zucker. Sorbit ist koch- und backfest und wird als Fruktose im menschlichen Körper verstoffwechselt.

Sirup

Tipp von der Expertin: Menschen mit einer Fruktoseintoleranz müssen vor allem bei Sirupen, wie zum Beispiel Dattelsirup, stark auf den Fruchtzuckergehalt achten. Reissirup enthält weder Fruktose noch Gluten und ist damit eine gute Alternative.

Zuckerrübensirup: Wird aus der Zuckerrübe gewonnen und besteht aus Saccharose (etwa 33%), Glukose (etwa 17%) und Fruktose (etwa 16%). Der Sirup ist relativ reich an den Mineralstoffen Magnesium, Eisen und Kalium.

Ahornsirup:  Ahornsirup wird aus dem Saft des Ahorns hergestellt und enthält etwa 67 Prozent Zucker und 33 Prozent Wasser. Der Sirup besteht überwiegend aus Saccharose und geringe Mengen Glukose und Fruktose.

Dattelsirup: Der Dattelsirup wird aus in Wasser eingelegten Datteln hergestellt.

Reissirup: Um Reissirup herzustellen, wird Reismehl in Wasser aufgelöst und erwärmt. Zusätzliche Enzyme sorgen dafür, dass die Stärke im Mehl gespalten wird. Der Sirup besteht vor allem aus Mehrfachzuckern, Malzzucker und Traubenzucker.

Dinkelsirup: Der Sirup entsteht aus im Wasser aufgelösten Mehl, das  mit Enzymen zersetzt wird. Dinkelsirup enthält vor allem Mehrfachzucker, Malzzucker und Glukose. Aber auch das Klebeeiweiß Gluten.

Agavendicksaft: Der Saft wird aus dem Herz der Agavenpflanze aus Mittelamerika gewonnen. Eingekocht enthält der Dicksaft überwiegend Fruktose und ist daher nicht für Menschen mit einer Fruktoseintoleranz geeignet.

Süßstoff

Tipp von der Expertin: Stevia ist tatsächlich eine gute Alternative zu Zucker. Es hat keine Kalorien und fördert kein Karies. In Deutschland wird Stevia allerdings oft nicht in einer reinen Form verkauft, sondern gestreckt mit Zuckeralkoholen.

Acesulfam: Ist etwa 200-mal süßer als Haushaltszucker. Der Stoff ist lagerfähig und hitzebeständig. Daher wird er oft zum Kochen und Backen verwendet.

Aspartam: Die Süßkraft von Aspartam ist etwa 200-mal höher als die des Haushaltszuckers. Der Stoff verstärkt Zitrus- und Fruchtaromen, ist allerdings nicht koch- und backfest. Menschen, die die Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie haben, dürfen Aspartam nicht verwenden. Da der enthaltene Eiweißbaustein Phenylalanin nicht verstoffwechselt werden kann.

Aspartam-Acesulfamsalz: Das Salz der beiden Süßstoffe Aspartam und Acesulfam hat eine 350-mal höhere Süßkraft als Zucker. Das Pulver eignet sich besonders gut für Tafelsüßen und Trockenprodukte.

Cyclamat: Der Stoff hat eine Süßkraft im Verhältnis von 35:1 und damit die geringste Süßintensität. Cyclamat kann zum Kochen und Backen verwendet werden und kommt oft in Lebensmitteln vor. Der Süßstoff wird nicht verstoffwechselt und verlässt den Körper meist unverändert.

Neohesperidin DC: Der Süßstoff wird aus der Schale der Bitterorange gewonnen und ist 400- bis 600-mal so süß wie Zucker. Es kann bittere Geschmacksnoten unterdrücken und wird daher oft bei Arzneimitteln verwendet.

Neotam: Neotam basiert auf einer Aminosäure und ist etwa 7.000- bis 13.000-mal süßer als Zucker. Außerdem verstärkt der Süßstoff Aromen von Zitronen, Früchten, Vanille, Minze und Schokolade.

Saccharin: Saccharin ist der älteste Süßstoff und etwa 550-mal süßer als Zucker. Der Süßstoff ist sehr stabil, hitze- und gefrierbeständig und bewahrt auch in wässrigen und säurehaltigen Produkten seine Süße.

Saccharin-Cyclamat-Mischung: Die Mischung der beiden Süßstoffe ist etwa 100-mal süßer als Zucker. Der Stoff wird oft als Tafelsüße angeboten.

Sucralose: Die Süßkraft von Sucralose ist etwa 600-mal höher als die von Zucker. Sie ist zum Backen und für saure Lebensmittel, wie Fruchtaufstriche geeignet.

Thaumatin: Der Süßstoff wird aus der westafrikanischen Katemfefrucht gewonnen und ist ein natürlicher Eiweißstoff. Seine Süßkraft ist etwa 2.000- bis 3.000-mal höher als die von Zucker. Es wirkt geschmacksverstärkend und verliert beim Kochen und Backen als Süßkraft.

Stevia: Stevia gehört zu den Süßstoffen und wird aus der südamerikanischen Stevia-Pflanze gewonnen. Pulverisiert ist Stevia etwa 300-mal süßer als Haushaltszucker.

Einfach anfangen

Zucker ist also nicht gleich Zucker, auf das richtige Maß kommt es an und wir nehmen auch kein „Alltags-Kokain“ zu uns. Dennoch ist das süße Gift in zu großen Mengen schädlich für unseren Körper. Um tatsächlich ein gesundes Maß zu erreichen, ist von den meisten viel Willenskraft gefordert. Und ein ganz wichtiger Punkt darf nicht vergessen werden: Man muss anfangen.

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Diabetologe Ulrich Alker rät seinen Patienten, zu Beginn vor allem die Zwischenmahlzeiten wegzulassen. Dazu gehöre dann auch zum Beispiel das Stück Geburtstagskuchen der Arbeitskollegen. Wie kann man in so einer Situation ohne ein schlechtes Gewissen „Nein“ sagen? Autorin Andrea Ballschuh kennt das Problem.

Die Zucker-Geschichte

Durch Zufall wurde bei der Moderatorin eine Fettleber diagnostiziert, obwohl sie kaum Alkohol trinke. Doch auch durch zu viel Fruktose kann eine Fettleber entstehen. „Ich habe immer gegessen“, erinnert sie sich. Aufgefordert von Freundin Fabienne Bill entschied Andrea Ballschuh sich dafür, 90 Tage auf Zucker zu verzichten. In den ersten ein bis zwei Wochen der Fastenzeit kämpfte sie mit „Entzugserscheinungen“ Kopfschmerzen und teilweise sogar Kreislaufprobleme. Allmählich bemerkte Ballschuh die ersten Veränderungen. „Ich hatte keine Heißhungerattacken mehr und auch keine Blähungen“, erinnert sie sich. „Jetzt kann ich etwas Süßes essen und genieße es richtig.“ Neben körperlichen Aspekten war auch die Umstellung im sozialen Umfeld nicht einfach. „Wie oft habe ich diesen Satz gehört: alles in Maßen. Ein Stück schadet doch nicht.“ Inzwischen hätten sich aber alle daran gewöhnt.
Jedes Jahr aufs Neue verzichtet die Autorin seitdem für 90 Tage komplett auf raffinierten Zucker. Ein Buch auf dem Markt, ein zweites kurz vor der Veröffentlichung und mittlerweile fast 6000 Mitglieder in der Facebook-Gruppe passend zur Challenge sind die Folge ihrer Motivation.

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Jedes "Nein" zu Zucker, ist ein "Ja" zu mir selbst.

Andrea BallschuhAutorin "Zucker is(s) nicht"

Speziell zum Thema „Nein-Sagen“ unterstützt Mental-Coach und Co-Autorin „Zucker is(s) nicht“ Fabienne Bill die Leser mit einem einfachen Vergleich:

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Schlussendlich liegt es an uns selbst, wie viel Zucker wir essen wollen. Denn: Wir zuckern auf eigene Gefahr. Trotzdem sind sich Wissenschaftler, Diabetologe und Ernährungsberaterin einig, weniger Zucker ist immer besser.

Und so kann es losgehen: mit dem Rezept zum hausgemachten Tomatenketchup ohne Zucker aus dem Buch „Zucker is(s) nicht“ von Andrea Ballschuh und Fabienne Bill.

Mitwirkende:


Text, Informationen & Videos: Julia Kleiner
Animation & Layout: Anne Porth
Illustrationen: oxygen_8, Liza, desertsands, Maria.Epine, Sonulkaster – stock.adobe