Die Meenzer Dynamites erleben derzeit ein großes Abenteuer: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte spielen die Handballdamen von Mainz 05 in der Bundesliga. Im Gefühlschaos zwischen Vorfreude und Anspannung soll der große Traum erste Liga am Leben gehalten werden. Wir begleiten das Team durch die Saison.

Eine multimediale Reportage
von Nadine Peter

Es war der 11. Mai 2019, den alle Beteiligten – Spielerinnen, Trainer, Betreuer und Fans – der Meenzer Dynamites wohl nie wieder vergessen werden. Nach dem 29:21-Sieg über den BSV Sachsen-Zwickau stand fest: Die Handballdamen vom FSV Mainz 05 spielen in der nächsten Saison in der Bundesliga.

Trainer Thomas Zeitz bekommt noch immer Gänsehaut, wenn er an diesen besonderen Moment zurückdenkt. „Damals war es einfach Befreiung und Freude über das Erreichte. Heute ist es, mit ein wenig Abstand, der Stolz auf alle, die daran mitgearbeitet haben. Stolz auf die Mädels, die durch ihren Willen und durch ihren Fleiß unser Ziel erreicht haben. Und Stolz auf die selbst geleistete Arbeit und das Ergebnis, dass der Plan wieder einmal aufgegangen ist.“

Das erste Training der neuen Saison

Nach ein paar Wochen Erholung in der Sommerpause startete für die Dynamites am 15. Juli mit dem ersten gemeinsamen Training das „Abenteuer erste Liga“.

Euphorie gerät ins Stocken

Dennoch wissen alle Beteiligten – und allen voran Trainer Thomas Zeitz – , dass die anstehende Saison in der ersten Liga richtig schwer wird. Denn während die Stimmung im ersten Training noch sehr gelöst und locker war, verlief die restliche Vorbereitung nicht so ganz nach Plan…

Trainer Thomas Zeitz versuchte, die etwas beschwerliche Vorbereitung noch zu retten, in dem er – im Vergleich zu Vorbereitungen der letzten Jahre – mehr im mentalen Bereich arbeitete, viel mit seinen Spielerinnen redete und fürs Teambuildings mehr als üblich unternahm, „um lockerer zu werden. Das ist und aber ehrlich gesagt nur punktuell gelungen“, berichtet der Trainer.

Vier Gründe für die durchwachsene Vorbereitung:

Euphorie schnell weg

Die Dynamites waren nach dem Aufstieg in die Bundesliga wie in einem Rausch. Und diese Euphorie sollte natürlich auch mit in die Saisonvorbereitung beziehungsweise sogar mit in die neue Saison genommen werden. Aber das ist nicht gelungen. „Die Euphorie war spätestens nach dem ersten Turnier weg, weil sich die Mädels während des Turniers, wo alle den Bundesliga Aufsteiger Mainz 05 sehen wollten, schon den Druck auferlegt haben, mehr tun zu müssen, weil man jetzt Erstligist ist. Das ist natürlich völliger Quatsch, aber durchaus nachvollziehbar“, erklärt Trainer Thomas Zeitz.

Hoher Druck

Die Euphorie wich dem stetig steigenden – selbstgemachten – Druck. Plötzlich hatten die Mädels nicht mehr die schönen Gedanken vom Aufstieg im Kopf, sondern das wachsende Gefühl der Anspannung vor den kommenden Aufgaben. „Sie haben sich selbst zu viel Druck gemacht. Nach dem Motto: In der ersten Liga müssen wir alles besser machen“, weiß der Coach.

Leichtigkeit verloren

Mit dem wachsenden Druck ging nicht nur die Euphorie, sondern auch die Leichtigkeit verloren. Und die ist in einer Saisonvorbereitung enorm wichtig, damit die negativen Aspekte wie Druck und Anspannung nicht Überhand gewinnen. Das Team der Dynamites war also in einem kleinen Teufelskreis gefangen.

Neues Team

Zudem standen Trainer und Mannschaft vor der Aufgabe, sechs neue Spielerinnen in das Team zu integrieren. Eine Aufgabe, die sich nicht von heute auf morgen bewältigen lässt und die in der ohnehin schwierigen Situation der letzten Wochen noch etwas anspruchsvoller ist. Dennoch kann nach Ende der Vorbereitung gesagt werden, dass die Dynamites eine zusammengeschweißte Mannschaft sind.

Die Mannschaft

Wenn man die Spielerinnen und den Trainer der Dynamites nach ihren Stärken fragt, dann kommt von allen unabhängig voneinander diese Antwort: „Wir sind ein Team.“ Die sechs Neuzugänge wurden schnell und gut in die Mannschaft integriert, es gibt keine Einzelkämpferinnen. „Wir gewinnen und verlieren zusammen“, weiß Zeitz. Zudem sei sein Team nicht von einer Spielerin abhängig.

Exkurs: Schuften fürs Comeback

Eine Saisonvorbereitung ist hart. Für jeden Leistungssportler. Bei den Dynamites ist es aber wohl Kreisläuferin Alexandra Tinti, die aktuell am härtesten arbeitet beziehungsweise arbeiten muss.

Denn die 27-Jährige schuftet nach einem Kniescheibenbruch im letzten Jahr an ihrem Comeback. Das bedeutet für die Studentin: Morgens um 6 Uhr aus dem Haus, ab in die Reha. Nach vier bis fünf Stunden Reha-Training, lernen für die Uni. Und abends besucht sie mehrmals wöchentlich ihre Teamkollegen beim Hallentraining.

14-Stunden-Tag = Alltag

Harte Arbeit fürs Comeback

Trainingslager in Holland

Nach intensiven ersten Wochen der Vorbereitung, in denen der erste Frust aufkam, kam das Trainingslager vom 22. bis 25. August wie gerufen. Das Team packte seine Sachen und fuhr ins niederländische Panningen. Dort stand vor allen Dingen Teambuilding auf dem Plan. „Unter diesem Aspekt war das Trainingslager gut. Wir haben ein bisschen Lockerheit und Zuversicht gewonnen“, resümiert der Trainer.

Das zeigt sich auch in diesem lustigen Video, das während der Zeit in Panningen entstanden ist. Darin präsentieren die Spielerinnen ihr neues Motto.

Dennoch war auch im Trainingslager nicht alles Gold, was glänzt. „Sportlich lief es aufgrund einiger verletzter Spielerinnen leider nicht so gut, sodass wir sogar das abschließende Turnier absagen mussten, weil wir sonst mit einer Torhüterin im Feld hätten spielen müssen“, erzählt der Trainer.

Saisonziel: Gekommen, um zu bleiben

Als Neuling im Handball-Oberhaus ist das Saisonziel der Dynamites klar: Der Klassenerhalt soll geschafft werden. Zeitz arbeitet aber auch auf kleine Zwischenziele hin und stapelt tief:  „Wir sind kein Erstligist, wir sind ein Zweitligist, der sich mit seiner Arbeit den Aufstieg in die erste Liga verdient hat. Jetzt wollen und sollen wir auch diesen Verdienst genießen und aufsaugen. Wir verlieren dieses Jahr nichts, wir lernen nur dazu. Und ich bin überzeugt, dass mit Anpfiff des ersten Spiels auch bei der letzten Spielerin angekommen ist, dass wir es in Liga eins geschafft haben.“

Wir sind kein Erstligist, wir sind ein Zweitligist,
der sich mit seiner Arbeit den Aufstieg in die erste Liga verdient hat.

Thomas ZeitzTrainer Meenzer Dynamites

Das erste Spiel in der Bundesliga

Im ersten Spiel in der Bundesliga ging es für die Meenzer Dynamites direkt gegen den Thüringer HC – den amtierenden Vizemeister. Eine sehr schwere Aufgabe, von der jeder schon im Vorfeld wusste, dass man gegen den Übergegner vermutlich chancenlos sein wird. So war es am Ende auch. Dennoch zog Alicia Soffel direkt nach der deutlichen 20:40-Niederlage positive Schlüsse aus der Partie.

Spielplan

1. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – Thüringer HC  Handball, 07.09.2019, 19:00

2. Spieltag: Neckarsulmer Sportunion – 1. FSV Mainz 05 , 14.09.2019, 19:00

3. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – Buxtehuder SV, 21.09.2019, 19:00

4. Spieltag: SG BBM Bietigheim – 1. FSV Mainz 05, 09.10.2019, 20:00

5. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – HSG Blomberg-Lippe, 19.10.2019, 19:00

6. Spieltag: Kurpfalzbären Ketsch – 1. FSV Mainz 05, 09.09.2019, 18:00

7. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – HSG Bensheim-Auerbach, 17.11.2019, 16:00

8. Spieltag: TuS Metzingen – 1. FSV Mainz 05, 26.12.2019, 18:00

9. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – Frischauf Göppingen, 29.12.2019, 16:00

10. Spieltag: HSG Bad Wildungen Vipers – 1. FSV Mainz, 04.01.2020, 19:00

11. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – TSV Bayer 04 Leverkusen, 19.01.2020,  16:00

12. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – BVB Dortmund, 26.01.2020,
16:00

13. Spieltag: VfL Oldenburg – 1. FSV Mainz 05, 02.02.2020, 16:30

14. Spieltag: Thüringer HC – 1. FSV Mainz 05, 09.02.2020,
15:00

15. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – Neckarsulmer Sportunion, 15.02.2020, 19:00

16. Spieltag:  Buxtehuder SV – 1. FSV Mainz 05, 22.02.2020, 16:00

17. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – SG BM Bietigheim, 01.03.2020, 16:00

18. Spieltag: HSG Blomberg-Lippe – 1. FSV Mainz 05, 07.03.2020, 16:30

19. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – Kurpfalz Bären,
15.03.2020, 16:00

20. Spieltag: HSG Bensheim-Auerbach – 1. FSV Mainz 05, 04.04.2020, 17:30

21. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – TuS Metzingen, 12.04.2020, 16:00

22. Spieltag: Frischauf Göppingen – 1. FSV Mainz 05, 18.04.2020, 19:00

23. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – HSG Bad Wildungen, 26.04.2020, 16:00

24. Spieltag: Bayer 04 Leverkusen – 1. FSV Mainz 05, 03.05.2020, 16:00

25. Spieltag: Borussia Dortmund – 1. FSV Mainz 05, 09.05.2020, 19:30

26. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – VfL Oldenburg, 16.05.2019, 18:00

Mitwirkende:


Text, Informationen & Videos: Nadine Peter
Layout: Anne Porth
Illustrationen: Sascha Kopp, hbz/Jörg Henkel