Alpakas und Lamas sind derzeit absolute Trendtiere. Wanderungen mit den sanften Kleinkamelen erfreuen sich großer Beliebtheit und auch als Therapietiere kommen sie zum Einsatz.

Von Prisca Jourdan (Text) und Torsten Boor (Fotos)

Neugierig streckt Paco seinen langen Hals aus, kommt mit der Nase ganz nah heran, immer auf der Suche nach einer kleinen Leckerei, die sich in einer Jackentasche verbergen könnte. Trotz aller Neugier ist das schwarze Lama dabei äußerst zurückhaltend, fast scheu. Schnelle, hektische Bewegungen mag Paco ebenso wenig wie seine Artgenossen und die beiden Alpakas mit denen er gemeinsam im Seitersweg an der Rosenhöhe als Therapietier lebt. Mittlerweile ist die kleine Herde nicht mehr die einzige in Darmstadt. Auch in Arheilgen hat eine Gruppe Alpakas vor wenigen Monaten ihr neues Quartier bezogen.

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Alpakas und elf Lamas sind in insgesamt sechs Betrieben im Landkreis Darmstadt-Dieburg zu Hause.
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Alpakas und vier Lamas leben im Odenwaldkreis. Für den Kreis Bergstraße liegen keine Zahlen vor.
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Alpakas leben im Kreis Groß-Gerau. Lamas gibt es dort keine.

Alpakas und Lamas, ihre etwas größeren Artgenossen, sind seit gut einem Jahr echte Internethelden. Die Kameltiere aus den südamerikanischen Anden sorgen mit ihrem voluminösen, weichen Fell, den lustigen Frisuren und einem Gesichtsausdruck, der einem Dauergrinsen gleicht, für Flauschalarm in den sozialen Netzwerken. Facebooknutzer verlinken sich zuhauf unter Videos, lustige Bilder und Sprüche, die die Tiere zeigen, werden geteilt und das Hashtag #alpaka liefert hunderttausende Bilder der flauschigen Tiere auf Instagram.

Auch wenn den Darmstädter Alpakas und Lamas der Hype um ihre Gattung nicht bewusst sein dürfte, so hat er doch Auswirkungen auf die Tiere. Sowohl Andreas Kruk von der Lebensschule Natur im Seitersweg als auch Petra Nothnagel-Kölsch von Luna Alpakas in Arheilgen bestätigen, dass das Interesse an ihren Tieren stark zugenommen hat, seit die flauschigen Andenbewohner im Internet in die Fußstapfen von Flamingos und Einhörnern getreten sind. Mittlerweile gibt es sogar Tassen und T-Shirts mit Alpakamotiven.

Sie sind schon Exoten und ticken ganz anders als beispielsweise ein Pferd.

Petra Nothangel-Kölsch, Luna Alpakas

Dass die Tiere aber viel mehr können, als nur niedlich in die Kamera grinsen, beweisen die beiden Herden in Darmstadt. In Arheilgen bietet Luna Alpakas neben Spaziergängen mit den Tieren auch Kindergeburtstage auf der Alpakafarm an. Zudem stehe Besuche in Kindergärten und Altenheimen auf dem Programm. In naher Zukunft ist geplant tiergestützte Intervention mit den Alpakas anzubieten. Ähnlich sieht es auch bei der Lebensschule Natur aus, wo die Lamas und Alpakas als Therapietiere eingesetzt werden und an Sonntagen für Spaziergänge über die nahe Rosenhöhe bereitstehen.

Als Petra Nothnagel-Kölsch und ihre Geschäftspartnerin Regine Jakobi vor vier Jahren die ersten Alpakas anschafften, um mit den Tieren Wanderungen durch Wald und Wiesen anzubieten, seien sie für ihre Idee belächelt worden, erinnert sie sich. Doch allen Kritikern zum Trotz war die Nachfrage von Anfang an da. Bei den Wanderungen geht es laut Nothnagel-Kölsch gar nicht so sehr ums Spazierengehen, sondern darum, Zeit mit den Tieren zu verbringen und draußen in der Natur zu sein. Die Menschen, und Kinder im Speziellen, wieder näher zur Natur bringen und ihnen den Umgang mit Tieren vermitteln, das ist es, was die beiden Frauen erreichen wollen. Und für diesen Zweck sind die flauschigen Alpakas einfach ideal geeignet, findet Nothnagel-Kölsch. Ihr sanftes, zurückhaltendes Wesen und ihre moderate Größe machen die Tiere auch für Kinder und alte Leute leicht händelbar. „Sie sind schon Exoten“, weiß die Expertin, „und ticken ganz anders als beispielsweise ein Pferd.“ Verletzungen seien nahezu ausgeschlossen, da die Tiere niemanden umrennen, beißen oder treten können. Alpakas sind zudem noch ein ganzes Stück kleiner als Lamas.

Tiere öffnen die Herzen. Das machen wir uns zunutze.

Andreas Kruk, Lebensschule Natur

Ähnlich beschreibt auch Andreas Kruk die Tiere. Lamas und Alpakas sind seiner Erfahrung nach sehr gut darin, Veränderungen wahrzunehmen, weshalb sie sich als Therapietiere besonders gut eignen. Eingesetzt werden sie dabei ganz unterschiedlich. Mal geht es darum, die Angst vor großen Tieren zu reduzieren oder Führungsqualitäten zu fördern. Aber auch bei Burnout oder zur Steigerung des Selbstwerts kommen die Tiere zum Einsatz. Der Therapeut weiß: „Tiere öffnen die Herzen. Das machen wir uns zunutze.“ Zudem spiegeln sie laut Kruk das wider, was die Menschen zeigen. Mit welchem Tier gearbeitet wird, hängt vom Thema ab, denn die Lamas und Alpakas haben ganz unterschiedliche Charaktere. Alpaka ist eben nicht gleich Alpaka und Lama auch nicht gleich Lama. Manche sind forsch, andere hingegen sehr zurückhaltend. Und was die meisten Menschen nicht wissen: Ihr Kopf ist den Tieren heilig. Ganz gleich wie knuffig ihre Frisuren auch sein mögen, streicheln lassen sie sich lieber an Hals und Körper.

Davor bespuckt zu werden, muss sich aber niemand fürchten. Dieses Mittel setzen die Kleinkamele für gewöhnlich nur ein, um Machtkämpfe untereinander auszutragen.

Alfie the alpaca in adelaide

Immer noch nicht genug vom kuscheligen Trendtier des Jahres? Auch im Netz gibt es das eine oder andere Alpaka, das es mittlerweile zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat – so wie zum Beispiel „alfie_the_alpaca_in_adelaide“.  Unter diesem Namen postet ein Paar aus dem australischen Adelaide regelmäßig Bilder ihres Aflie. Und das mit Erfolg: Mehr als 200.000 Follower zählt ihr Account auf Instagram bereits.

Und hier sehen Sie eine kleine Auswahl der besten Bilder: