Zwölf Stunden Hölle: Ein Eltviller Hobby-Triathlet will den Ironman in Frankfurt bewältigen. Bisher hat er schon 15.000 Euro dafür ausgegeben.

Eine multimediale Portrait-Reportage von Lisa Marie Christ

231 Kilometer an einem Tag. Ein Wettkampf in der Königsklasse also. Nicht nur Profis stellen sich dieser Herausforderung. Auch immer mehr Hobbysportler wollen ihre Grenzen beim Ironman testen. Rund 3000 Teilnehmer gehen in Frankfurt dafür an den Start. Auch Stefan Dietz aus Eltville.

Für diesen Tag hat er ein Jahr lang trainiert. Denn einen Ironman schafft man nicht einfach so. Stefan Dietz verbrachte viele Stunden im Schwimmbad, auf der Straße oder im Wald, um sich für diesen einen Tag fit zu machen.

WIE SIEHT DER TYPISCHE TRIATHLET AUS?

Und wie passt Stefan Dietz da rein?

Statistiken sagen, er sei männlich, im Durchschnitt 38 Jahre alt, voll berufstätig und gebe im Jahr etwa 2500 Euro für den Sport aus. Stefan Dietz scheint wie ein typischer Triathlet. Er ist 43 Jahre alt, ebenfalls voll berufstätig, hat in acht Jahren rund 15.000 Euro für sein Hobby ausgegeben. Und doch ist er anders.

Verschieben Sie den Regler in der Grafik und entdecken Sie so Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Stefan Dietz und dem durchschnittlichen Triathleten.

WIE SIEHT DAS TRAINING AUS?

SCHWIMMEN

Was ist wichtig beim Training?

Es ist essentiell, eine stabile Wasserlage während des Schwimmens zu haben. Die trainiert man mit speziellen Übungen im Wasser, um die Körperspannung zu stärken.
Viele schwimmen mit einer abgeknickten Haltung. Profis achten darauf, mit einem langgezogenen Körper zu schwimmen. Das ist aerodynamischer und spart Zeit im Wettkampf.

RADFAHREN

Was ist wichtig beim Training?

Gleichgewicht spielt beim Radfahren mit die größte Rolle. Um besser im Wind zu liegen, stützen sich die Profis deswegen mit den Unterarmen auf dem Lenker ab. Doch das will erstmal gelernt sein.
Wichtig ist vor allem ein Intervalltraining mit hohen und niedrigem Tempo. Auch Berg- und Talfahrten bieten sich an, um die Muskeln auf die lange Distanz beim Ironman vorzubereiten.

LAUFEN

Was ist wichtig beim Training?

Beim Laufen kommt es vor allem darauf an, die Ausdauer zu trainieren. Die Technik des richtigen Laufens kann man sich in sogenannten Laufschulen oder beim Lauf-ABC aneignen.
Wichtig sind hier auch Stabilisationsübungen für den Körper, die man zuhause oder auch in Fitnessstudios absolvieren kann.

WARUM IST STEFAN DIETZ TRIATHLET GEWORDEN?

Sport ist nicht alles. Wie lässt sich das Training mit der Familie vereinbaren? Wie sehr muss man auf die Ernährung achten? Wie hoch sind die Kosten für den Sport?

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Grafik: Katharina Beck

ZAHLEN & FAKTEN

Der Ironman

Ironman als Marke ist eine Reihe von Triathlon-Wettkämpfen, die an Orten auf der ganzen Welt stattfinden. Heute gibt es weltweit 154 Rennen in 53 Ländern. Der bekannteste Ironman wird auf Hawaii ausgetragen. Es ist der älteste Triathlon (seit 1978) und gleichzeitig die Weltmeisterschaft der Triathleten. Der Frankfurter Ironman, oder auch Ironman Germany, ist die Europameisterschaft.

Distanzen

Im Triathlon unterscheidet man zwischen verschiedenen Distanzen. In der Altersklasse Schüler ist vorgesehen: 100 Meter Schwimmen, 2,5 Kilometer Radfahren und 400 Meter Laufen. Bei den Erwachsenen gibt es kurze (1500 Meter, 40 Kilometer, 10 Kilometer), mittlere (1,9, 90, 21,1) und lange (3,8, 180, 42,195) Distanzen. Der Ironman Frankfurt wird über die lange Triathlon-Distanz bestritten.

Triathlon boomt

Die Mitgliederzahlen (laut offizieller Zählung der Deutschen Triathlon Union) in den Triathlon-Vereinen im Rhein-Main-Gebiet nehmen seit einigen Jahren stetig zu. Dies folgt einem deutschlandweiten Trend: 2007 gab es noch 27.192 Mitglieder in Vereinen in ganz Deutschland. 10 Jahre später sind die Zahlen auf 57.926 gestiegen – ein Anstieg von 113 Prozent.

1

Dachverband

16

Landesverbände

1.537

Vereine deutschlandweit

57.926

Mitglieder (Stand 2017)

WAS SAGEN DIE EXPERTEN ZUM TRIATHLON-TREND?

Triathlon boomt. Warum ist der Triathlon so beliebt? Was macht den Reiz an dieser Sportart aus?

Klicken Sie auf die Symbole und erfahren Sie, was Experten dazu sagen.

Deutsche Triathlon Union (DTU)

Eva Werthmann, Abteilung Kommunikation: Triathlon liegt weiterhin im Trend. Die Kombination aus Schwimmen, Radfahren und Laufen findet jedes Jahr viele neue Anhänger. Das liegt einerseits sicherlich an den Erfolgen deutscher Triathleten wie Jan Frodeno und Patrick Lange, durch die die Sportart medial sehr präsent ist. Das macht Menschen neugierig darauf, es selbst mal auszuprobieren. Andererseits spielt vielleicht auch der gesundheitliche Aspekt eine Rolle: gesund zu leben liegt ja auch seit einigen Jahren im Trend.Wenn man Triathleten fragt, warum sie Triathlon machen und was das Besondere daran ist, wird immer wieder der Abwechslungsreichtum genannt. Man trainiert eben nicht nur eine Sportart, sondern drei und erhält dadurch im Training immer wieder neue Reize. Beim Triathlon und im Training beschäftigt man sich vor allem mit sich und seinen persönlichen Grenzen und versucht immer wieder, diese zu verschieben.

Hessischer Triathlon Verband (HTV)

Tanja Weber, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Grundsätzlich geht die Tendenz immer mehr zu sogenannten Event-Veranstaltungen. So boomt in Hessen beispielsweise der Frankfurter City-Triathlon oder in Immenstadt der Allgäu-Triathlon. Aber auch kleine Traditionsveranstaltungen sind relativ schnell ausgebucht. Triathlon ist eben eine vielseitige Sportart, bei der man in Training und Wettkampf offen ist und viele Eindrücke mitnimmt.Da wir sicherlich irgendwo eine Entwicklung in Richtung Freizeitgesellschaft, Selbstverwirklichung, „Ich möchte etwas ganz Besonderes neben meinem Job machen“, vielleicht auch „Ich möchte für einen Tag ein Held sein (Ironman-Teilnahme) und besondere Eindrücke mitnehmen“ haben, profitiert die Sportart Triathlon davon.

Rheinland-Pfälzischen Triathlonverband (RTV)

Peter Jurkschat, Geschäftsführer: Die Bewältigung von drei eigenständigen Sportarten zu einer eigenen Sportart ist für viele Menschen immer noch faszinierend. Keine einseitige Belastung. Triathlon wird auch von alten Menschen betrieben, so starten auch 70 bis 80-jährige Menschen bis zur Langdistanz/Ironmandistanz.

Department für Sportwissenschaft und Sport an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

Heiko Ziemainz, Sportwissenschaftler: Viele wollen austesten, ob sie gewisse Distanzen bewältigen können. Auch die Zahlen bei Marathon-Veranstaltungen und Ausdauersport-Events sind gestiegen. Mit ein Grund für die aktuelle Popularität könnte die geringe Eingangshürde sein, denn viele Triathlon gehen auch nur über eine kurze Distanz. Durch die Abwechslung der Disziplinen kommt nicht so schnell Monotonie auf. Und die Abwechslung gestaltet sich schon im Training, da man gut kombinieren kann. Vom Fahrrad zum Laufen. Vom Laufen zum Schwimmen. Mit ein Grund ist sicherlich aber auch die Klimabewegung. Die Leute wollen nach draußen und zurück zur Natur. Und da bieten sich die drei klassichen Sportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen eben am Besten an.

FINALE: DER IRONMAN IN FRANKFURT

Nach fast einem Jahr Vorbereitung ist am 30. Juni der Tag endlich da. Stefan Dietz startet beim Ironman Germany in Frankfurt. Und dieser Tag hat es in sich: Start am Langener Waldsee ist um 6.40 Uhr. Was dann folgt ist ein Kraftakt, der sich über den ganzen Tag zieht. 3,8 Km Schwimmen, 185 Km Radfahren und ein Marathon (42,195 Km) noch hinterher. Aber es lohnt sich!

ER HAT ES GESCHAFFT!

„Stefan, du bist ein Ironman“, schallt es am Sonntagabend über den Frankfurter Römer. Nach 13 Stunden und 21 Minuten ist Stefan Dietz im Ziel. Mit viel Unterstützung am Wegesrand hat er die 231 Kilometer geschafft. Herzlichen Glückwunsch, Ironman!

Hier können Sie ein paar Eindrücke zum längsten Tag von Stefan Dietz sammeln.

Mitwirkende:


Text, Informationen & Videos: Lisa Marie Christ
Gestaltung & Grafik: Miriam Völlmecke

Vielen Dank an Stefan Dietz, der so bereitwillig einen Einblick in sein Training und seinen Tag beim Ironman in Frankfurt gegeben hat.