1.000.000 Kilogramm Müll gelangt jährlich über den Rhein in die Meere. Das wollen die Macher des Rhine Cleanup verhindern. Am 14. September 2019 greifen Tausende Unterstützer wieder nach Müllbeuteln und Zangen, um Abfall entlang des Rheinufers zu sammeln. Auch in Mainz und Wiesbaden.

Eine multimediale Reportage von Carina Schmidt und Sina Schreiner.

Die Ziele für 2019

20.000
Helferinnen und Helfer
6
Staaten und 4 Bundesländer
100
Kommunen, die mitmachen
200
Tonnen Müll sammeln

Die Ziele sind ambitioniert. Doch nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr sind die Organisatoren der gemeinnützigen Rhine Cleanup-GmbH optimistisch und haben sich für die zweite Auflage viel vorgenommen.

Das Bewusstsein der Menschen für Müllvermeidung und Beseitigung ist in den letzten Monaten noch einmal gestiegen. Die Erkenntnis hat zugenommen, dass man nicht immer nur auf andere zeigen kann, sondern selbst anpacken muss.

Ingo LentzInitiator Rhine Cleanup, Foto: Anne Orthen

Warum braucht es einen Rhine Cleanup?

Weil derzeit jährlich rund eine Million Kilogramm Müll durch den Rhein in den Meeren landet. Verantwortlich für die Vermüllung sind Bürger, aber auch Schiffer, die ihren Müll – trotz aller Verbote – im Gewässer entsorgen. Untersuchungen haben ergeben, dass der Rhein und andere Flüsse durch Mikroplastik stark belastet sind.

Wie ist die Idee entstanden?

Geboren wurde die Idee in Düsseldorf. Dort organisieren die Macher der Rhine Cleanup gGmbH seit 22 Jahren einen Dreck-weg-Tag. Weil einzelne lokale Aufräumaktionen in ihren Augen in der Außenwirkung aber sehr begrenzt sind, haben sie sich dazu entschlossen, den Rhine Cleanup ins Leben zu rufen und Rheinanlieger von der Quelle bis zur Mündung zu gewinnen, die ihren Fluss und das Ufer säubern.

Diese Städte und Gemeinden sind 2019 in unserer Region dabei:

Sie wollen mitmachen?

Auch in Mainz und in Wiesbaden wird am 14. September wieder Müll gesammelt. In Mainz von 10 bis 13 Uhr am gesamten Rheinufer. In Wiesbaden geht es ebenfalls um 10 Uhr in Biebrich (Treffpunkt am BIG-Weinstand) und in Schierstein (Treffpunkt an der alten Bootsrampe, Höhe Bernhard-Schwarz-Straße) los.

Die Schirmherrinnen von Rheinland-Pfalz und Hessen

Ulrike Höfken, Umweltministerin Rheinland-Pfalz

Was leistet Rheinland-Pfalz, um die Wasserqualität zu verbessern?

Natürlich beeinflusst nicht nur Plastikmüll die Qualität des Wassers, sondern auch Einträge aus der Industrie, aus kommunalen Abwässern oder aus der Landwirtschaft. Aber da es hier um Plastikbefall geht: Größere Plastikteile, das Makroplastik, werden in der mechanischen Reinigungsstufe zurückgehalten. Der Großteil des Mikroplastiks lagert sich im Klärschlamm an und kann dem Abwasser entnommen werden. Die Abwasserbehandlung ist sehr aufwändig und schwierig. Daher ist unser Ziel, die Einträge zu verhindern und dabei unterstützen wir die Städte und Gemeinden bei ihren Maßnahmen. Im Bereich Einwegbecher haben wir die Initiative „BecherBonus“ gestartet. Und wir haben auf den Umweltministerkonferenzen und im Bundesrat immer wieder gefordert, dass EU-weit und auch hier Mikroplastik in Kosmetika und weiteren Pflegeprodukten verboten wird.

Was geschieht in Sachen Wasserqualität von Flüssen auf politischer Ebene länderübergreifend bereits?

Gemeinsam mit Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen haben wir an einer umfassenden Studie teilgenommen, in der Binnengewässer in Süd- und Westdeutschland auf Mikroplastik untersucht wurden. Dabei wurden oberflächennahe Wasserproben an 25 Flüssen im Einzugsgebiet von Rhein und Donau auf Mikroplastik analysiert. Die Ergebnisse bilden einen der weltweit größten, methodisch einheitlich gewonnenen Datensätze zum Vorkommen von Plastikpartikeln in Flüssen. Das Ergebnis: In jedem einzelnen Gewässer wurden unterschiedliche Konzentrationen von Mikroplastik nachgewiesen. Fragen zu Eintragspfaden, Auswirkungen auf die Umwelt und Möglichkeiten, den Eintrag zu verringern, werden derzeit unter einem vom Bund geförderten Forschungsschwerpunkt „Plastik in der Umwelt“ bis 2021 untersucht. Auf dieser Grundlage wird über weitere, auch politische Aktivitäten entschieden werden.

Priska Hinz, Umweltministerin Hessen

Was hat Sie bewogen, in diesem Jahr die Schirmherrschaft für die Aktion zu übernehmen?

Ich halte das für eine besonders nützliche und bemerkenswerte Aktion. Der Rhein wird länderübergreifend von der Quelle bis zur Mündung von Müll befreit. Das will ich unbedingt unterstützen.

Fehlt es in unserer Gesellschaft an Umweltbewusstsein?

Leider leben wir in einer Welt, in der viele Menschen ihren Abfall nicht ordentlich entsorgen. Aktionen wie Rhine Cleanup dienen zum einen dazu, die Gewässer ganz konkret von Unrat zu befreien, zum anderen tragen sie zur Bewusstseinsbildung der Menschen bei. Es wird eine öffentliche Diskussion darüber angeschoben, warum so viel Müll achtlos in den Flüssen entsorgt wird.

So lief es 2018

10.000
Helferinnen und Helfer waren dabei
6
Staaten und 4 Bundesländer
59
Städte und Kommunen haben mitgemacht
100
Tonnen Müll wurden gesammelt

Auf Initiative der Zeitungen der VRM haben sich Mainz und Wiesbaden 2018 am Rhine Cleanup beteiligt. In der hessischen Landeshauptstadt waren 150 Freiwillige im Einsatz, auf rheinland-pfälzischer Seite gingen sogar 350 Aktive an den Start. Was die Müllsammler dabei aus dem Rhein fischten, war erstaunlich – und erschreckend zugleich: Alte Reifen, ein Einkaufswagen und sogar ein Tresor und Munition wurden entdeckt.

 

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Das Mainzer Orga-Team ist über die Stadtgrenzen hinaus aktiv

Wir müssen mehr machen, wenn wir etwas verändern wollen.

Tanja Methien

Die ganze Geschichte von Tanja Methien und ihren Cleanups in Wiesbaden lesen Sie hier.

Wir aktualisieren unsere Berichterstattung zum Rhine Cleanup fortlaufend. Bis zum großen Tag am 14. September finden Sie hier immer wieder neue Informationen rund um die Sammelaktionen in Mainz und Wiesbaden.

Mitwirkende:


Text, Informationen & Videos: Carina Schmidt und Sina Schreiner
Animation & Layout: Anne Porth