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Der 29-jährige Anders Hofman Laursen will einen Triathlon absolvieren: in der Antarktis. Bald geht es los. Was treibt ihn an? Und was sagen Mainzer Sportwissenschaftler dazu?

Ein Uni-Projekt von Fiona Dörr, Caroline Glabacs, Abigail Wesp und Lorena Wilhelmi

Der erste Ironman in der Antarktis

Der 29-jährige Athlet Anders Hofman Laursen aus Dänemark hat bereits einen Rekord aufgestellt. Ihm gelang es in der nördlichsten Sphäre einen Triathlon zu absolvieren. Den nächsten athletischen Meilenstein peilt er schon mit seinem aktuellen Vorhaben an, der Versuch den Ironman Anfang Februar komplett unter den feindlichen Konditionen der Antarktik durchzuführen. Unter seinem Motivationsslogan „limitations are merely perceptions“, nämlich das Grenzen lediglich Empfindungen sind, die es unter Willensstärke und starker Gedankenkontrolle zu bewältigen gilt, wird er im Februar 2020 sein „Project Iceman“ versuchen zu Ende bringen. Nach jahrelanger Vorbereitung mit einem 15-köpfigen Team an seiner Seite – bestehend aus einem Arzt, Video- und Fotografen, Tauchern und dem Anführer der Expedition – wird sich Hofman Anfang Februar auf die knapp 40-tägige Reise begeben. Wie hat sich das Projekt entwickelt? Welche Vorbereitungen müssen getroffen werden? Und welchen Herausforderungen steht die Crew gegenüber?

Über den Ironman

Was ist der Ironman und seit wann gibt es ihn?
Der erste Ironman fand am 18. Februar 1978 auf Hawaii statt und wurde mit der Absicht gegründet, die drei herausforderndsten Ausdauersportarten in einem Wettkampf miteinander zu vereinen.
Welche Disziplinen umfasst der Ironman?
Der Ironman besteht aus drei Disziplinen und folgenden Distanzvorgaben: 3.8 Kilometer Schwimmen, 180km Radfahren und 42,2km Laufen.
Wie steht es heute um den Ironman?
Heute zählt der Ironman zu den bekanntesten Triathlon-Wettkämpfen weltweit und wird auf allen Kontinenten der Erde betrieben. Jährlich begeistern sich bis zu 500.000 Triathleten für die Teilnahme.

Der Weg zum Iceman

Im März 2018 taucht der Begriff „Iceman“ das erste Mal auf Hofmans Instagramprofil auf. Zu dem Zeitpunkt ist die rekordverdächtige Idee schon einige Monate alt, das Vorhaben, den Triathlon des weltbekannten Ironman unter den extremen Bedingungen der Antarktik zu meistern, schon geboren. Im Oktober desselben Jahres legt Anders den ersten Meilenstein für sein Project Iceman, indem er den „polar circle marathon in Grönland“ bestreitet und somit den ersten Marathon unter unüblich kalten Bedingungen hinter sich bringt. Und obwohl er sich anfänglich bei der Vorbereitung mit neuartigen Herausforderungen konfrontiert sieht, ist Aufgeben für ihn nach eigener Aussage keine Option.

Im Mai 2017 macht der Athlet seinen Bachelorabschluss an der Business School Copenhagen und erkennt, dass er bislang nie seinen wirklichen Träumen nachgegangen sei. Kurze Zeit später schaut er die Dokumentation „The Jump“, die den 30-jährigen Dänen Nick Jacobsen bei seinem kite jump von dem 321 Meter hohen Gebäude des Burj Al Arab in Dubai zeigt. Dies bringt ihn zum Nachdenken und letztlich zum Entschluss, selbst einen verrückten Rekord aufzustellen. Als Grund für das Projekt gibt er an, sich selbst und anderen beweisen zu wollen, dass man mit genug Willensstärke, Selbstvertrauen und Motivation alle Ziele im Leben erreichen kann. Er persönlich hat sich hierfür das extreme Ziel ausgesucht, den Rekord für den nördlichsten Ironman aufzustellen. Er liebt Herausforderungen und sieht in dem Vorhaben die beste Möglichkeit seine Grenzen zu pushen.

Foto: Herman Berger

Bei der Frage nach seiner absoluten Inspiration im Leben nennt Anders Dwayne „The Rock“ Johnson. Er sei für ihn das Sinnbild mentaler und physischer Kraft. Und tatsächlich ist diese Kombination die Kernvoraussetzung für den Erfolg des Projektes. Im Jahr 2016 nimmt Anders das erste Mal am Ironman teil. Gut ein Jahr später beginnt er mit den ersten Vorbereitungen für den „Iceman“.

Auf seinen Social-Media-Kanälen hält Anders die Welt auf dem Laufenden. Er lässt seine Fans und Follower regelmäßig an der Vorbereitung für den Iceman teilhaben und interagiert mit ihnen. Mittlerweile hat er das Projekt zu seiner Marke gemacht.

Doch auch der größte Ehrgeiz kann nicht verhindern, dass nicht immer alles reibungslos abläuft und auch Hofman hat mit den heftigen Bedingungen zu kämpfen, die ihn anfangs kurz an sich zweifeln lassen. „Es wird kein Sportwettrennen, es wird ein Überlebenskampf“, sagt er, als er über die Verhältnisse in der Antarktik reflektiert. Das Rennen wird er mit Stollenschuhen bewältigen müssen, Schneefall könnte beim Radfahren zusätzlich zur Glätte ein Hindernis darstellen und das Schwimmen im eisigen Wasser alleine erweist sich für die meisten als absolute Horrorvorstellung. Auch Anders stuft letzteres als seine persönlich schwächste Disziplin ein. Und dann wären da noch die 500 Kilogramm schweren Seeleoparden…

Foto: Jan Laumark

Hürden bei der Austragung

Anders Hofman muss sich im Laufe der Vorbereitungen als auch bei der tatsächlichen Austragung verschiedensten Herausforderungen stellen, wie uns auch Sportwissenschaftler der Universität Mainz bestätigen.

Temperaturen

Der erste Austragungsort des Ironman war auf Hawaii. Im Gegensatz zu den dort herrschenden 19 bis 31 Grad im Verlauf des Jahres, können Anders Hofman und seinem Team bis zu -15 Grad Celsius begegnen. Natürlich haben diese arktischen Temperaturen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Körpers. Dieser sollte – wie es Sportwissenschaftler der Uni Mainz erklären – idealerweise über eine konstante Körperwärme von 37 Grad verfügen um die erwünschten körperlichen Leistungen erbringen zu können. Außerdem hat die extreme Kälte Einfluss auf die Atmungsaktivität des Menschen. Eine geregelte Atmung ist bei sportlicher Leistung ein Kernbestandteil, kann aber in der Antarktis nicht konstant gewährleistet werden.

Wetterbedingungen

Hofman und seine Crew werden unvorhersehbaren Wetterkonditionen ausgeliefert sein. Schneefall, starke Winde und Glätte: Auf all dies muss sich das „Team Iceman“ einstellen und sich anpassen können. Beispielsweise muss die Fahrradausrüstung für Anders speziell geplant werden, da bei Schneefall mehr Kraftaufwand gefordert ist, um vorwärts zu kommen.

Ungeplante Verletzungen

Beim Training für den Iceman hat sich Hofmans Ende 2019 bereits eine Knieverletzung zugezogen. Dies hat ihn in seinem Trainingsplan ein Stück zurückgeworfen und die Angst vor weiteren Verletzungen im Laufe der Vorbereitungszeit geschürt. Anfang Januar war er nicht im Stande ohne Beschwerden mehr als 30 Minuten zu joggen und länger als 45 Minuten Fahrrad zu fahren. Mittlerweile hat er sich größtenteils erholt und ist zuversichtlich und motivierter denn je, den Iceman endlich bestreiten zu können. Allerdings sind weitere körperliche Rückschläge während der Vorbereitung als auch später vor Ort nicht auszuschließen. Es kann unter anderem zu Muskelverkrampfungen kommen, nicht zuletzt wegen dem langen Austragungszeitraum. Anders strebt momentan 11 bis 13 Stunden am Stück an.

Mentale Herausforderung

Die Sportsoziologie befasst sich unter anderem mit der Frage, warum Extremsportler sich immer verrücktere Ziele stecken und wie viel ihnen dabei mental abverlangt wird. Denn obwohl der Adrenalinkick und das Erfolgserlebnis die positive Seite von Extremsport darstellen, kann es immer wieder zu ungeahnten Rückschlägen und erschöpfungsbedingten Aussetzern kommen, die auch Disziplin und Selbstvertrauen nicht mehr überbrücken können. In diesem Fall hat Anders Hofman seinen Bruder als mental coach an seiner Seite. Dieser wird sein konstanter Begleiter sein und ihm tatkräftig beistehen.

Der Weg zum Iceman

2. Februar: Start in Kopenhagen, Dänemark
3. Februar: Ankunft in Ushuaia, Argentinien
3. bis 7. Februar: Vorbereitung in Ushuaia, Teammeeting
7. Februar: Start der Segelfahrt über die Drake Passage
12./14. Februar: Ankunft Portal Point (Iceman location)
Ushuaia, Argentinien: Ort des ersten Teammeetings vor der Expedition
Drage Passage: Verbindung zwischen südwestlichem Teil des Antlantiks und südöstlichem Teil des Pazifiks
Portal Point: Schmale, nordöstlichste Landspitze der Reclus-Halbinsel und Ankunftsort des Iceman Teams

Ob das Project Iceman ein Erfolg wird und welche Ziele sich Anders noch gesteckt hat, erfahren Sie hier

I believe we all have our own „Iceman“ and if I can achieve mine, you can achieve yours. No matter what that dream is.

-Anders Laursen Hofman

Dieses Projekt wurde von Studierenden als Abschluss der Lehrveranstaltung „Journalismus als Beruf“  im Bachelor-Studiengang Publizistik konzipiert, recherchiert und produziert. Für diese Lehrveranstaltung kooperieren die VRM und das Institut für Publizistik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.