Menschen auf dem Mars? Raumfahrt-Experte Sanjay Vijendran von der ESA spricht über laufende Marsprokjekte und Zukunftsaussichten.

Eine Multimedia-Story von Marie Dillmann, Lena Geisler, Celine Keller, Jannis Kramp, Gina Mehmood Awan & Paula Müller

Den Mars bewohnbar machen: Langfristig gesehen ist dies das große Ziel der Marsmissionen von Weltraumbehörden wie der NASA und dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX. Auch die Europäische Weltraumorganisation (ESA) spielt bei den zukünftigen Marsmissionen eine wichtige Rolle. Die ESA koordiniert und fördert die Entwicklung der europäischen Raumfahrt und vertritt so die Interessen Europas im All. Aber ist es überhaupt möglich, auf dem Mars zu leben? Oder ist der Wunsch, einen anderen Planeten bewohnbar zu machen, doch nur eine Vision?

Hier zunächst ein Vergleich zwischen dem roten Planeten und der Erde. Fahren Sie mit der Maus über die Symbole im Bild, um mehr über den Mars zu erfahren.

Ein Tag auf dem Mars dauert 24 Stunden und 37 Minuten, also knapp 40 Minuten länger als ein Tag auf der Erde.
Mit 227 Millionen Kilometern ist der Mars 78 Millionen Kilometer weiter von der Sonne entfernt als die Erde.
Eine längere Umlaufbahn und eine stärkere Achsenneigung des Mars haben längere Jahreszeiten zur Folge. Deshalb gibt es beispielsweise auf der Nordhalbkugel längere Sommer und dadurch auch deutlich angenehmere Temperaturen.
Der geringe Luftdruck hat zur Folge, dass es auf dem Mars kein flüssiges Wasser gibt. An dem Polkappen fand man dafür Wasser in Form von Wassereis.
Der Mars hat topografisch sowohl Tiefebenen als auch Hochland. Zudem gibt es Staub- und Sandstürme, die eine Geschwindigkeit von bis zu 400 km/h erreichen können.
Die Jahreslänge auf dem Mars beträgt 686,98 Tage, während ein Jahr auf der Erde lediglich 365,25 Tage benötigt.
-60 °C beträgt die Durchschnittstemperatur des Mars, während auf der Erde eine durchschnittliche Temperatur von +14°C herrscht.
Auch wenn dieses Bild anderes vermuten lässt, ist der Mars in Realität nur circa halb so groß wie die Erde.
Der Mars ist der äußere Nachbar der Erde. Von der Erde aus dauert eine Reise zum roten Planeten circa 6 Monate.
Mit nur ungefähr einem Drittel der Anziehungskraft der Erde beträgt die Gravitation (Massenanziehung) auf dem Mars 3,69 Meter pro Sekunde.
Die Atmosphäre um den Mars hat eine Zusammensetzung von 95 % Kohlendioxid, 2,7 % Stickstoff, 0,3 % Sauerstoff und 1,6 % Argon. Die dünne Atmosphäre führt dabei zu starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht.
Die Atmosphäre um die Erde setzt sich zusammen aus 78 % Stickstoff, 21 % Sauerstoff, 0,93 % Argon und 0,04 % Kohlendioxid.

Seit 16 Jahren umkreist eine Raumsonde der ESA den Mars. Sie erfasste nahezu die gesamte Oberfläche des Planeten und liefert Beweise, dass es dort einmal flüssiges Wasser gegeben haben muss − ein möglicher Hinweis auf früheres Leben. Wenn es also auf dem Mars tatsächlich schon einmal Leben gab, dann kann es dort vielleicht auch wieder Leben geben. In einem internationalen Zusammenschluss mit der NASA, startet die ESA eine von Robotern ausgeführte Marsexpedition, die die Geschichte unseres Nachbarplaneten rekonstruieren soll.

Ziel dieser Mission ist es, die Marsumgebung besser zu verstehen, bevor erstmals Astronauten Fuß auf den Roten Planeten setzen. Sanjay Vijendran ist strategischer Teamleiter und Koordinator zukünftiger Mars-Studien der ESA. Als Teil des Direktorats, das sich mit der Erkundung des Roten Planeten befasst, besteht seine Aufgabe in der Planung und Umsetzung solcher Mars-Missionen. Im Interview spricht er über aktuelle robotergestützte Expeditionen und über zukünftige bemannte Raumflüge zum Mars.

Foto: Shawn Hempel – stock.adobe

Könnten Sie uns ein bisschen mehr über die gemeinsam mit der NASA geplante Mission, Proben vom Mars auf die Erde zurückzuführen, erzählen? 

Bei dem Vorhaben Marsproben zurückzuführen, geht es um die Suche nach Leben auf dem Roten Planeten. Bereits am 18. Februar 2021 wird ein Rover der NASA auf dem Mars landen. Dort wird er verschiedene Proben der Marsoberfläche nehmen. In einem zweiten Schritt wird ein von der ESA gesandter Roboter die Marsproben einsammeln und mithilfe einer Rakete in die Marsumlaufbahn befördern. Eine Raumsonde der ESA wird die Proben anschließend lokalisierten und zur Erde bringen. Wenn alles nach Plan verläuft, werden die ersten Proben im Jahr 2031 auf der Erde landen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dieser robotischen Rückführung von Marsproben und einer zukünftigen Entsendung von Menschen zum Mars?

Auf jeden Fall. Die Rückführung von Marsproben gilt als sehr wichtiger Schritt und ist quasi die Generalprobe für eine bemannte Mission zum Mars. Wir müssen den Mars erst besser verstehen, bevor wir Menschen, beziehungsweise Astronauten sicher dorthin befördern können.

The special thing about space exploration is that it makes you look outwards and helps you to avoid only focusing on today and what’s happening down here. Instead it makes you look further and makes you realize that there is so much more in the world, the world is not just the world around us.

 

Sanjay Vijendran

Hat die ESA das Ziel, Menschen langzeitig auf den Mars zu bringen?

Angefangen mit dem Mond und jetzt dem Mars verfolgen alle Raumfahrtorganisationen das Ziel, die menschliche Präsenz im Sonnensystem so weit wie möglich zu erweitern. Wir möchten, dass unsere Marserkundungen nicht nur der wissenschaftlichen Forschung dienen, sondern letztendlich Menschen ein Leben auf dem Mars ermöglichen können.

Und wann darf man damit rechnen? 

Das kommt darauf an, wie viel Risiko man eingehen und wie schnell man auf dem Mars sein möchte. Die Entwicklung eines solchen Projekts ist zudem eine aufwendige Angelegenheit, die von der Herstellung des Materials bis zu der Ausarbeitung eines verlässlichen Systems sehr viel Zeit einfordert. Für die ESA und die NASA ist die Realisierung bemannter Marsexpeditionen zeitlich noch weit entfernt. Was wir aber mit der robotischen Marserkundung erreicht haben, hat alles in die Richtung verändert, dass dieses Ziel in den nächsten 20 Jahren immer realistischer wird.

Würden Sie persönlich zum Mars fliegen, sobald dies möglich wäre?

Vor 20 Jahren hätte ich sicherlich ja gesagt, auch wenn es mit einem hohen Risiko verbunden gewesen wäre. Jetzt habe ich jedoch eine Familie und bin nicht mehr nur für mich alleine verantwortlich. Deshalb kann ich mir erst vorstellen dorthin zu fliegen, wenn Marsflüge bereits zu einer sicheren Routine geworden sind.

Foto: Stockbym – stock.adobe

In Anbetracht des Klimawandels und anderer Bedrohungen auf der Erde, scheint der Mars in sich die Hoffnung auf ein zweites zu Hause für die Menschheit zu bergen. Beim Betrachten der kalten und staubigen Wüste des Mars, kommt jedoch schnell der Gedanke auf: Was soll das für eine Art von zu Hause sein? Der Planet Erde ist in unserem Sonnensystem nun mal einzigartig und der Mars noch weit davon entfernt, dem Menschen ähnliche Lebensbedingungen zu bieten.

Welche Maßnahmen bis dahin getroffen werden müssen und was sich hinter dem Begriff „Terraforming” verbirgt, können Sie durch Ausführungen des Astrophysikers Harald Lesch in dem Video des BR „Was ist Terraforming“ erfahren.

Dieses Projekt wurde von Studierenden als Abschluss der Lehrveranstaltung „Journalismus als Beruf“  im Bachelor-Studiengang Publizistik konzipiert, recherchiert und produziert. Für diese Lehrveranstaltung kooperieren die VRM und das Institut für Publizistik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.