Das Verbrechen an Susanna in Wiesbaden beschäftigt ganz Deutschland. Es herrschen Entsetzen, Bestürzung und Trauer. Auch Wut und Hass. Nach anderen Verbrechen, bei denen junge Flüchtlinge Täter waren, ist in Deutschland längst eine heftige Debatte um die Asyl- und Flüchtlingspolitik insgesamt entbrannt. Sie wird nun weiter angeheizt. Es wird zunehmend polarisiert: Die einen gehen auf die Straße gegen kriminelle Flüchtlinge und  Asylmissbrauch, die anderen  gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. In den Debatten und Aktionen spiegelt sich eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft.

Wiesbaden

Trauer mit politischen Untertönen

Um ein Zeichen des Mitgefühls mit den Angehörigen der ermordeten Susanna zu setzen, nehmen am 8. Juni, einem Freitagabend, rund 70 Personen an einem Trauerzug durch Erbenheim teil. Was als stiller Trauer- und Solidaritätsmarsch angekündigt ist, trägt bereits die politischen Untertöne, die fortan bestimmend sein werden: Susanna sei ein „Opfer der Toleranz“, ist zu lesen. Ein weiteres Opfer, wird angeklagt.

"Hoffentlich wird das kein zweites Kandel"

Das Verbrechen an Susanna, für die Angehörigen ein Trauma, wird schnell zum Politikum. Wieder ein Flüchtling als Täter. Zwei Orte  vor allem werden zu Symbolen: Freiburg und Kandel in der Südpfalz.

  • In Freiburg hatte am 16. Oktober 2016 Hussein K. die junge Studentin Maria vergewaltigt und das Opfer dann ertrinken lassen. Im März 2018 verurteilte das Landgericht Freiburg den Afghanen wegen Mordes und Vergewaltigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und ordnete zusätzlich die anschließende Sicherungsverwahrung an.
  • In Kandel hatte am 27. Dezember 2017 Abdul D. seine Ex-Freundin Mia, eine 15-Jährige, erstochen. Die Jugendstrafkammer des Landgerichts Landau verurteilte den wohl aus Afghanistan stammenden Täter im September 2018 wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von achteinhalb Jahren.

Und nun Susanna in Erbenheim. In Erbenheim hoffen viele Menschen, dass ihnen eines erspart bleiben möge – „hoffentlich kein zweites Kandel“.

Foto: dpa

Kandel ist über Monate hinweg Schauplatz von Demonstrationen und Kundgebungen verschiedener rechtspopulistischer und rechter Bündnisse. Die Stadt wird als politische Bühne missbraucht. Was einen starken Gegenprotest zur Folge hat. An manchen Tagen marschieren mehrere tausend Menschen durch die Straßen Kandels – Demonstranten und Gegendemonstranten. „Festung Europa, macht die Grenzen dicht“, rufen die einen. „Offene Grenzen, kein Verstand, wer schützt unser Land?“ Über ihnen wehen Deutschlandfahnen.

Ein paar Meter weiter bestimmen Regenbogenfahnen das Bild, es gibt Rufe wie „Nazis raus“. Auf Transparenten steht in bunten Buchstaben: „Wir für Menschlichkeit.“

Die einen  überziehen Flüchtlinge und Migranten mit einem Pauschalverdacht, die anderen rufen „Flüchtlinge willkommen“. Ein Stimmungsbild. Zwei deutsche Welten 2018.

Die Trauer als Vorwand

Bei den lokalen Kundgebungen rückt die Trauer um das Opfer Susanna immer mehr in den Hintergrund. Auch wenn sie lautstark beschworen und als Anlass vorgeschoben wird. Eine kleine Gruppe aus Erbenheim, die sich „Hand in Hand – Gegen die Gewalt auf unseren Straßen“ nennt, hat die Federführung.

Foto: Wolfgang Degen

Erbenheim sei nach Kandel „der zweite wichtige Meilenstein im Kampf gegen die irrsinnige und mörderische Flüchtlingspolitik“, wird in Wiesbaden als Mobilisierungs-Parole ausgegeben. Von der „Richtstätte“ Susannas ist die Rede, von der „Blutspur“, die sich durch Deutschland ziehe. Die Verbalattacken über „messernde Flüchtlinge“ zielen ab auf das als „verbrecherisch“ bezeichnete politische System. Dieses  System müsse beseitigt werden. „Wir sind das Volk!“ wird skandiert, man betrachtet sich als „patriotische Widerstandsbewegung“.  Auswärtige Rechtspopulisten wollen zunehmend die Stimmung nutzen.

Fotos: Wolfgang Degen

Die emotionale Mobilisierung scheitert. Die Menschen in Wiesbaden sind bestürzt und betroffen über das Verbrechen an Susanna, bei aller Wut auf den Täter wollen sie sich aber nicht instrumentalisieren lassen. Nur wenige Menschen folgen den Aufrufen zu diesen Kundgebungen. Begleitet werden die Kundgebungen von Gegenprotesten.
Die angeblichen „Gedenkveranstaltungen“ stellen sich dar als populistische Rundumschläge, mit fremdenfeindlichen und auch rassistischen Tönen. Die Rundumschläge richten sich gegen die Politik, die das eigene Volk verrate. Gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, an deren Händen „Blut“ klebe, weil sie die Politik der „unkontrollierten Grenzöffnung“ zu verantworten habe. Verschwörungstheorien werden verbreitet – von einem politisch angeblich geplanten „Bevölkerungsaustausch“ ist die Rede.
Die Rundumschläge richten sich gegen die Justiz, die mit ihren Urteilen angeblich Täterschutz betreibe und gegen die Medien. Journalisten werden wahlweise als „linksversiffte Lügenpresse“ oder als „staatlich gelenkt, gleichgeschaltet“ an den Pranger gestellt, weil sie die „massenhaften Verbrechen vertuschen“ würden.
Das Volk müsse „aufstehen“, um diese Zustände zu beenden.
Bei den Kundgebungen in Wiesbaden sind überwiegend Auswärtige unter sich. Sie unterstützen sich wechselseitig bei ihren Veranstaltungen. Der Zulauf bleibt sehr überschaubar. Die Aktionen laufen ungeachtet der breiten Mobilisierung auf rechtspopulistischen und rechten Plattformen im Internet dann schnell ins Leere.
Aus Wiesbaden wird kein zweites Kandel.

Mainz

Anteilnahme und Hetze

Der Fund von Susannas Leiche tritt in Mainz eine Welle der Anteilnahme und des gemeinsamen Trauerns los. Freunde, Bekannte, Mitschüler und viele weitere Menschen gedenken der 14-jährigen Schülerin. Sie kommen zusammen, legen vor ihrem Wohnhaus auf dem Lerchenberg und vor der Schule Kerzen, Blumen, Fotos und Briefe nieder.

Eine Stadt trauert. Kurzfristig werden zahlreiche Gedenkveranstaltungen organisiert. Mehrere Tage hintereinander finden in der Mainzer Innenstadt Veranstaltungen statt. Die Umstände der Tat und die Hintergründe der Beteiligten polarisieren.

Am Samstagmittag, 9. Juni, organisiert die „Gutmenschliche Aktion“ eine Gedenkkundgebung  für Vielfalt und gegen Fremdenhass auf dem Petersplatz. In der Ankündigung heißt es: „Mit unserer Kundgebung möchten wir nicht nur würdevoll der Ermordeten gedenken, sondern auch auf die generelle Problematik der Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.“ Die Verantwortlichen verurteilen die Tat, fordern aber gleichzeitig vehement, den Fall nicht zu instrumentalisieren und für fremdenfeindliche Hetze zu nutzen.

Unweit des Petersplatzes versammeln sich parallel rund 100 Personen zu einer Mahnwache der rheinland-pfälzischen AfD-Landtagsfraktion auf dem Deutschhausplatz. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Es reicht! Endlich Konsequenzen ziehen.“ Zu Wort melden sich unter anderem der Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion, Uwe Junge. Im Vordergrund stehen parteipolitische Inhalte – und die Herkunft des Täters. Nach rund 15 Minuten ist die Veranstaltung vorbei. Den größten Teil umfassen anschließend Medieninterviews mit Politikern und Teilnehmern.

Hitziger wird es am Sonntag. Denn auch die rechtspopulistische „Beweg was“-Initiative, die sich einige Wochen zuvor ursprünglich als „Merkel muss weg“-Bewegung gebildet hatte und seitdem im wöchentlichen Turnus zu Kundgebungen in der Mainzer Innenstadt getroffen hatte, macht Susannas Tod bei einer Veranstaltung auf dem Helmut-Kohl-Platz zum Thema. Während Teilnehmer der insgesamt vier angemeldeten Gegendemonstrationen mit Trillerpfeifen, „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“-Sprechchören, Plakaten und Bannern gegen politisches Instrumentalisieren des Falles protestieren, bietet sich auf der Seite der Merkel-Gegner, wie auch bei vorangegangen Veranstaltungen, erneut kein homogenes Bild, sowohl bei den Teilnehmern als auch bei Aktionen und Reden. Zwischen den Bäumen auf dem Platz haben Teilnehmer ein Seil gespannt und verschiedene Schriftstücke daran befestigt. Die Merkel-Gegner nennen sie die „Leine des Grauens“. An ihr hängen Zeitungsartikel und angebliche Dokumentationen von tätlichen Übergriffen von Ausländern. Dazu werden immer wieder Fahnen geschwenkt; unter anderem Deutschland-Flaggen, aber auch die Wirmer-Flagge. Sie ist auch als Reichsbürgerflagge bekannt. Auf dem Podest wettern Redner gegen die Asylpolitik der Bundesregierung. Wie die Polizei später bestätigen wird, nehmen an der Veranstaltung in der Tat den Behörden bekannte Personen, darunter auch Rechtsextreme und Reichsbürger, teil.

Fotos: dpa, Sascha Kopp

Am Montag versammeln sich zu einer stillen Gedenkstunde von DGB und evangelischer Kirche rund 150 Personen auf dem Gutenbergplatz; darunter auch Vertreter aus Landes- und Stadtpolitik. Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling fordert in seiner Ansprache ein Zeichen der Mitmenschlichkeit.  Und des Zusammenstehens. Auch gegenüber den Versuchen, den Tod des Mädchens politisch zu instrumentalisieren. Brennende Teelichter formen Susannas Namen.

Fotos: dpa

Am späten Nachmittag versammeln sich auf dem Markt rund 35 Personen zu einer Mahnwache unter dem Motto „Kandel ist überall“. Hinter der Mahnwache steht die AfD-nahe Organisation „Kandel ist überall“, die bereits im pfälzischen Kandel rechtspopulistische Demonstrationen veranstaltet hatte. Auch an diesem Abend stellen sich den Rechtspopulisten wieder rund 120 Gegendemonstranten entgegen.

Auch in Mainz gelingt es nicht, ein „zweites Kandel“ aufzuziehen. Auch wenn in Mainz, wie in Wiesbaden, Protagonisten des Kandeler Protests als Unterstützer auftreten.

Bundesweit

Die Politik auf der emotionalen Anklagebank

Das Verbrechen an Susanna heizt die ohnehin schon heftige öffentliche Debatte zur Asyl- und Flüchtlingspolitik weiter an. Der Fall Susanna gilt in Teilen der Öffentlichkeit als weiterer Beweis für ein Versagen des Staates und das Scheitern der Flüchtlingspolitik.  Die Politik sitzt auf der emotionalen Anklagebank.

Jedes Scheibchen an neuer Erkenntnis im Fall Susanna wirkt wie ein emotionaler Beschleuniger und sorgt für weitere Wut.

Es gibt sachliche Fragen, die nach Antworten und nach Lösungen verlangen:

  • Wer ist da eigentlich im Zuge der großen Flüchtlingsströme unkontrolliert ins Land gekommen? Wie viele solcher Zahlendreher beim Geburtsdatum wie im Fall Ali Bashar mag es denn noch geben? Wie viele frei erfundene Daten?
  • Wie viele Namen sind nur Schall und Rauch, weil sie entweder falsch oder nur ein Teil der richtigen Identität sind?
  • Wie lange braucht der Staat eigentlich, bis er die wirklich Schutzbedürftigen anerkennt und die Anderen, die keinen Anspruch auf Asyl, einen Schutzstatus oder ein sonstiges Bleiberecht haben, zum Verlassen Deutschlands bringt?

Mit dem Verbrechen an Susanna leidet das Vertrauen in die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Von Kontrollverlust des Staates ist die Rede. Beklagt wird ein angeblich wehrloser Rechtsstaat.

Zu Wort meldet sich auch die in Wiesbaden wohnende Ethnologin Susanne Schröter, Ethnologin und Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität: Die deutsche Gesellschaft müsse sich spätestens nach dem Fall Susanna Konzepte für den Umgang mit patriarchalisch geprägten und aggressiven Männern überlegen, fordert die Wissenschaftlerin.
„Das ist jetzt kein Einzelfall mehr“, sagt sie mit Blick auf andere Fälle wie die Kölner Silvesternacht oder Kandel. „Es ist eine neue Situation und die hat etwas mit den vielen jungen Männern aus patriarchalischen Strukturen und Kulturen zu tun.“ Im Islam wie auch in anderen Religionen gebe es patriarchalisch geprägte Normen, die Gewalt und sexuelle Übergriffe legitimierten, so die Forscherin. Im Fall Susanna könne dies der Hintergrund sein: „Dieser junge Mann hatte ganz offensichtlich überhaupt keinen Respekt.“ Weder vor der deutschen Gesellschaft, noch vor Frauen oder Polizisten, so die Forscherin. Er habe das Mädchen als reines Sexualobjekt gesehen.
„Aber sicherlich haben wir im Moment etwas, was ich als Kulturen-Clash bezeichnen würde.“ Durch die Flüchtlingskrise seien viele Männer aus muslimisch geprägten Ländern nach Deutschland gekommen, deren Frauenbild ein völlig anderes sei.
Verschärfend zur kulturellen Prägung komme hinzu, dass es mehr junge Männer als Frauen in Deutschland gebe. „Wir haben mindestens eine Million junger Männer aufgenommen, für die es hier keine jungen Frauen gibt.“ Junge Männer zwischen 16 und 30 Jahren wünschten sich eine Partnerin und neigten zu Aggressionen, wenn das nicht klappe. „Sie haben überhaupt keine Chance, alle eine Freundin zu kriegen, weil es in dieser Altersgruppe nicht genug freie Mädchen und Frauen gibt. Das sind schon mal ganz ungünstige Voraussetzungen“, so Schröter.
„Man sollte mal den Ernst der Lage begreifen“, sagte Schröter. Gelinge das nicht, schreite die Polarisierung weiter voran: Rechtsgerichtete Gruppen gewinnen an Zulauf und Migranten schlägt immer mehr Rassismus entgegen. „Das kann man vermeiden, aber man muss es auch wollen.“

Die politische Inszenierung

Eine erste große inszenierte Wutwelle hatte der AfD-Abgeordnete Thomas Seitz bereits am Morgen des 8. Juni, zwei Tage nach dem Fund von Susannas Leiche, im Bundestag in Gang gesetzt. Statt wie vorgesehen zur Geschäftsordnung und zur geplanten Erhöhung der Parteienfinanzierung etwas zu sagen, legt Seitz – unabgesprochen und unangekündigt – eine Schweigeminute für das Opfer Susanna ein. Schweigend steht er am Rednerpult.

Foto: dpa

Die anderen Fraktionen reagieren entsetzt. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis90/Die Grünen) ermahnt den AfD-Abgeordneten, zum Thema der Debatte zu sprechen. Seitz schweigt weiter. Roth verweist ihn schließlich des Rednerpults und ruft den nächsten Redner auf. Die AfD-Fraktion veröffentlicht in der Folge ein Video mit diesen Szenen in den sozialen Netzwerken.

Das Video wird auf Facebook über zwei Millionen Mal aufgerufen, über 46 000 Mal geteilt. Rund 18 000 Kommentare werden abgegeben.

Über Claudia Roth bricht ein Sturm der Entrüstung und des Hasses herein. Die Bundestagesvizepräsidentin wird bedroht. In den massenhaften Kommentaren auf der Facebook-Seite der AFD-Fraktion liest sich das auszugsweise so:

Gabriele D.: „Roth auch du bekommst noch deine gerechte Strafe (.) Gottes Mühlen mahlen langsam aber gerecht! Pfui schämen sie sich in Grund und Boden“

Wolfgang W.: „Die erste die ich absägen würde die stinkt vor Fehlverhalten und miesem Charakter“

Sascha D.: „Sollte einer meine Kinder anfassen, gibt es keine Polizei, kein Gericht auf dieser Welt was mich davon abhält, denjenigen um die Ecke zu bringen“

Gabi M.: „ICH BIN fassungslos und Entsetzt über so viel Eiseskälte für ein Totes KIND ihr seid so widerwärtig man kann es nicht fassen“

Norman D.: „Da geht einem das Messer in der Tasche auf wenn man diese Volksverräter sieht“

Wolfgang Schäuble (CDU), der Bundestagspräsident, wird später zu der AfD-Aktion sagen:
„Ein einzelner Abgeordneter darf den Bundestag nicht durch einen eigenmächtigen Aufruf zu einer Schweigeminute für seine Zwecke vereinnahmen.“ Und er stellt fest: „Wir müssen Maß halten, um unser politisches und gesellschaftliches Klima nicht zu vergiften.“ Seine sachlichen Feststellungen lösen neue Wut- und Hassreaktionen aus.

Die sozialen Netzwerke laufen heiß

„Es ist auffällig still in Wiesbaden-Erbenheim“, schreibt die Zeitung  „Die Welt“ am 8. Juni 2018. „Sprechen will kaum jemand.“ Das klingt, als wären die Reporter bei ihrer Recherche vor Ort enttäuscht. Andere reden dafür umso mehr und sind nicht zu bremsen: Die sozialen Netzwerke laufen heiß. Jede Phase des Falles wird auf der Facebook-Seite von Susannas Mutter, aber nicht nur dort, ausgiebig kommentiert. Erst recht, als die Polizei und die Staatsanwaltschaft erste Details zur Person Ali Bashar nennen. Den Beiträgen echter Anteilnahme und Besorgnis steht eine Fülle von Beiträgen gegenüber, in denen Beleidigungen, Hass und Hetze dominieren. Pietätloses.

Hemmungslos

Meinungsfreiheit wird so verstanden, als ob alle Hemmungen abgelegt werden dürften. Im Vorfeld des am 12. März 2019 beginnenden Prozesses gegen Ali Bashar vor der Schwurgerichtskammer des Wiesbadener Landgerichts lässt man  sich in Kommentaren darüber aus, dass Knast „noch zu milde“ sei. Dann wird formuliert, was dem Angeklagten „abgehackt“ gehöre, „aber schön langsam“. Verbale Racheorgien der übelsten Art. Der „Selbstjustiz“ wird das Wort geredet. Es wird „bedauert“, dass es in Deutschland keine Todesstrafe gibt. „Alle 3 gehören hingerichtet (.) die dreckigen geschwister sowie der Afgahne“.  Man wünscht sich, „das dieses Stück Dreck im Knast kaputt geschlagen wird“.

Die weiteren Kapitel:


Impressum:

Autor: Wolfgang Degen
Co-Autor: Nicholas Steinberg
Redaktionelle Mitarbeit: Alexandra Maus
Grafik & Layout: Miriam Völlmecke
Chefredaktion: Stefan Schröder (verantwortlich)


Namensnennung und Fotos

Im konkreten Fall hat sich die Redaktion nach dem Abwägen zwischen dem öffentlichen Interesse und den Persönlichkeitsrechten des Angeklagten für eine identifizierende Berichterstattung entschieden: Der Name des Angeklagten wird genannt, sein Foto unverfremdet gezeigt. Dieses Vorgehen soll bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung des jungen Mannes beibehalten werden. Die Voraussetzungen für eine zulässige identifizierende Berichterstattung sind in seinem Fall gegeben. Beim Opfer Susanna zeigen wir das Foto, so lange der Fall noch so präsent ist, nennen aber nur den Vornamen des Mädchens.