Die EU ist Marktführer in Sachen Weinbau. Kein Wunder also, dass die Europäische Union den Winzern klare Vorgaben macht, die auch Auswirkungen auf unsere Region haben.

Oben links lässt sich das angezeigte Jahr verändern, oben rechts die Art der Grafik.

RECHTSAKTE

der EU seit Gründung

INSGESAMT

209236

Verabschiedet bis 2019

34726

Verabschiedet im Bereich Landwirtschaft bis 2019

2511

Verabschiedet im Bereich Weinbau bis 2019

DAVON

IN KRAFT

36359

Verabschiedet bis 2019

7698

Verabschiedet im Bereich Landwirtschaft bis 2019

223

Verabschiedet im Bereich Weinbau bis 2019

BEISPIEL

Regulierung des Weinmarktes

Eine Liberalisierung des Marktes würde zur Folge haben, dass Winzer hauptsächlich in flachen, einfach zu bewirtschaftenden Lagen ihre Reben anbauen – Steillagen würden nicht mehr bewirtschaftet werden, so die Befürchtung. Aus diesem Grund reguliert die EU, wo angebaut wird.

Wer entscheidet, was Qualität ist?

Qualitätsweine werden seit 1971 chemisch in einem amtlich zugelassenen Weinlabor geprüft. Besteht der Wein diese Untersuchung, folgt ein sensorischer Test: Hierfür werden drei Musterweinflaschen eingereicht und nach einem 5-Punkte-Schema bewertet. Zu den Prüfern zählen Vertreter aus der Weinwirtschaft, der weinbaulichen Forschung, dem Verkauf, der Kunden und der Weinkontrolle. Sie prüfen Aussehen und Geschmack.Im Anschluss erhalten sie von amtlichen Stelle eine Prüfungsnummer von der Prüfungskommission.

Wie wird Weinqualität definiert?

Die Weinqualität definiert sich über sensorische Eindrücke wie Geschmack und Aussehen, aber auch rechtlichen Maßstäben und Standards, die allgemein gültig und messbar sind. Hier bildet das Weinrecht der EU den Rahmen und kann Kompetenzen auch andere Länder der EU übertragen. Aus diesem Grund kommt es zu nationalen Unterschieden.

Weitere Informationen zum EU-Weinrecht finden sich unter diesem Link.

Welche Qualitätsstufen gibt es?

Deutscher Wein (Früher Tafelwein):
Dieser Wein besitzt keine Herkunftsbezeichnung, allerdings dürfen der Jahrgang sowie ausgewählte Rebsorten auf das Etikett geschrieben werden. Dieser Wein darf nur aus deutscher Lese von zugelassenen Rebflächen und Rebsorten produziert werden.

Deutscher Landwein:
Dieser Wein muss aus einem von 26 geschützten geografischen Anbaugebieten kommen. Landwein ist typisch für seine Region und überweigend trocken bis halbtrocken. Die Anbaugebiete sind: Ahrtaler Landwein, Badischer Landwein, Bayerischer Bodensee-Landwein, Brandenburger Landwein, Landwein Main, Landwein der Mosel, Landwein Neckar, Landwein Oberrhein, Landwein Rhein, Landwein Rhein-Neckar, Landwein der Ruwer, Landwein der Saar, Mecklenburger Landwein, Mitteldeutscher Landwein, Nahegauer Landwein, Pfälzer Landwein, Regensburger Landwein, Rheinburgen Landwein, Rheingauer Landwein, Rheinischer Landwein, Saarländischer Landwein, Sächsischer Landwein, Schleswig-Holsteiner Landwein, Schwäbischer Landwein, Starkenburger Landwein und Taubertäler Landwein.

Qualitätswein:
Qualitätsweine sind am häufigsten in Deutschland anzutreffen. Sie müssen zu 100 Prozent aus einem der 13 deutschen Anbaugebieten stammen und die amtliche Qualitätsweinprüfung bestanden haben. Je nach Anbaugebiet und Rebsorte sind unterschiedliche untere Grenzwerte beim natürlichen Alkoholgehalt erlaubt. Abhängig vom Gebiet liegt das  Mindestmostgewicht zwischen 50 und 72° Oechsle. Diese Weine dürfen vor dem Gärprozess mit gesetzlich begrenzten Menge an Zucker angereichert werden. Dadurch erhöht sich der Alkoholgehalt im Wein.

Prädikatswein:
Für diesen Wein gelten die höchsten Qualitätsanforderungen. Hier müssen Reife, Harmonie und Eleganz stimmen und auf eine Anreicherung muss verzichtet werden. Solche Weine kommen unter anderem aus Rheinhessen und dem Rheingau.

In welche Prädikate wird unterschieden?

Kabinett:
Ein feiner und leichter Wein, der aus reifen Trauben mit geringem Alkoholgehalt gewonnen wird.

Spätlese:
Hierbei handelt es sich um reife und elegante Weine. Die Früchte werden etwas später gelesen.

Auslese:
Für diesen Wein werden vollreife Trauben verwendet. Unreife Beeren werden komplett aussortiert.

Beerenauslese:
Diese Weine sind fruchtig und werden aus überreifen, edelfaulen Trauben hergestellt.

Trockenbeerenauslese:
Hierfür werden edelfaule Beeren genommen, die schon rosinenartig eingeschrumpft sind. Diese Weine sind süß und honigartig und können nicht nach jedem Weinjahrgang geerntet werden.

Eiswein:
Ein Wien, dessen Trauben in gefrorenen Zustand bei mindestens minus sieben Grad gelesen werden müssen. Auch müssen sie in gefrorenem Zustand gekeltert werden. Dadurch wird nur das Fruchtkonzentrat gewonnen.

Wie wird die Qualität erreicht?

Das Mostgewicht (Das ist die Dichte des Traubenmost) ist ein guter Indikator über die zu erwartende Qualität des Weins, denn so kann der Alkoholgehalt abgeschätzt werden.

Was steckt hinter den verschiedenen EU-Weinsiegeln?

Die Auflösung gibt es nach einem Klick auf das jeweilige Siegel.

EU-Biosiegel

Geschützte geografische Angabe

Geschützte Ursprungsbezeichnung

Warum ist die EU überhaupt dahinter her, den Weinanbau in den einzelnen Ländern zu regulieren?

Ein Gespräch dazu mit dem EU-Abgeordneten der Grünen, Martin Häusling.

(Das Interview wurde schriftlich geführt.)

Interview

Die Meinung der Minister in Rheinland-Pfalz und Hessen:

Zu den Statements der Landwirtschaftsminister bitte auf das jeweilige Bild klicken.

Volker Wissing

FDP

„Gemeinsame europäischen Regelungen für den Weinbau sind wichtig. Sie schaffen ein einheitliches System, das es den Verbraucherinnen und Verbrauchern erleichtert, sich in der Vielfalt des Angebotes zurecht zu finden. Gleichzeitig werden Entscheidungen über regionale Besonderheiten stärker in die Hände der Verantwortlichen vor Ort gelegt. In Rheinland-Pfalz haben wir dazu mit den neu gegründeten Schutzgemeinschaften ein hervorragendes Instrument geschaffen. Die Winzerinnen und Winzer können dadurch eigene Qualitätsanforderungen an ihre regionalen Weine selbst bestimmen. Das ist ein tolle Entwicklung, die regionale Identität stärkt.“

Priska Hinz

Grüne

„Durch die finanzielle Förderung der EU werden Winzerinnen und Winzer in ihren Bemühungen unterstützt, sich dem Wettbewerb am globalen Weinmarkt zu stellen. So können sich auch familiengeführte Weinbaubetriebe, von denen wir in Hessen viele haben, behaupten. Trotzdem sehe ich Nachbesserungsbedarf bei der Agrarförderung der EU. Das Ziel muss sein, eine umweltverträgliche europäische Landwirtschaft zu fördern. Deshalb fordere ich eine stärkere Förderung von ökologischer Landwirtschaft und eine gezielte Förderungen von Betrieben, die umweltschonende Methoden umsetzen. Für den Weinbau würde ich mir außerdem wünschen, dass Betriebe die an Steillagen anbauen stärker unterstützt werden. Denn dort herrschen erschwerte Bedingungen für den Anbau, gleichzeitig aber prägen Weinberge unsere Kulturlandschaft hier in Hessen maßgeblich und ich möchte sie nicht missen.“

Winzer müssen sich an viele EU-Vorgaben richten. Einen Einblick gibt dieses Video.

Rheingauer Weinbaupräsident Peter Seyffart, der die Interessen der Winzer vertritt,  zu den Vorgaben der EU zum Weinbau.

Mindeststandards sind wichtig, findet Julia Klöckner. Genauso wie eine gute Zusammenarbeit mit Brüssel.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu ihren Arbeitsbeziehungen mit der EU.

Mitwirkende:


Text, Informationen & Videos: Sonja Ingerl
Gestaltung & Grafik: Miriam Völlmecke